Notizen 163

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Die Zeit der Cäsaren

Jetzt ist das Undenkbare eingetreten: Ein verzogener Fratz ("a spoild brat"), ein zynischer Menschenverächter, ein rücksichtsloser Egomane, wurde Präsident der USA. Wo wird das noch enden?

Umfragen wurden von Intellektuellen gemacht, gewählt wurde er von Ungebildeten. Immerhin, einer hat sein Kommen vorausgesehen: Der Oscar-prämierte Dokumentarfilmer Michael Moore hatte fünf Gründe genannt, warum Trump Präsident werden würde. Darunter waren Überlegungen wie: Jetzt hatten wir einen Schwarzen als Präsident. Als nächstes kommt eine Frau, danach ein Schwuler, später ein Transgender-Mensch. Und wenn irgendwann auch Tieren Menschenrechte zugesprochen werden, könnte demnächst ein Goldhamster Präsident der USA werden. Grotesk? Könnte von Trump stammen, so denken sicher manche seiner Anhänger. Besonders grotesk: Ein Drittel der Latino-Männer gab an, für Trump votiert zu haben - obwohl er sie im Wahlkampf als Verbrecher und Vergewaltiger beschimpft hatte. Das erinnert an Bertold Brechts Gedicht "Der Kälbermarsch":
Hinter der Trommel her
Trotten die Kälber
Das Fell für die Trommel
Liefern sie selber.

Interessant auch: Trump hat bei allen Gruppen gepunktet, die sich als Christen bezeichnen, bei Protestanten, bei Katholiken, bei Freikirchen und Sekten. Nur die Juden wählten Clinton - und die Atheisten. Womit Marx mit seinem "Religion = Opium"-Vergleich wieder einmal Recht hat.
Aber wie geht es weiter? Bleibt Trump ein Betriebsunfall der Demokratie, oder wird es in Zukunft alltäglich werden, Männer und Frauen wie Trump, Le Pen, Wilders, oder gar Beatrix von Storch an die Macht zu hieven? Wer kann das sagen? Wir haben jemanden entdeckt, der vor sage und schreibe hundert Jahren die jetzige Situation exakt vorausgesehen hat: Oswald Spengler bezeichnete in seinem Monumentalwerk "Der Untergang des Abendlands" (erschienen 1923, begonnen 1916) die jetzige Zeit als die "Zeit der Cäsaren", indem er sie mit dem Römischen Reich zur Zeit Cäsars verglich. Dazu schreibt er:
Cäsarismus nenne ich die Regierungsart, welche in ihrem inneren Wesen gänzlich formlos ist. Alle Institutionen sind von nun an ohne Sinn und Gewicht. Bedeutung hat nur die ganz persönliche Gewalt, welche der Cäsar durch seine Fähigkeiten ausübt. Es ist die Heimkehr aus einer formvollendeten Welt in Primitive, ins Kosmisch-Geschichtslose.
Sagte er "kosmisch" oder "komisch"? Es ist schon bezeichnend für unsere Zeit, dass ein professioneller Clown in der Politik Erfolg hat (Beppe Grillo in Italien) und ein inoffizieller Clown anderswo. Für Spengler ist die Zeit der Cäsaren eine Zeit von zunehmend primitivem Charakter der politischen Formen. Es gibt einen innerer Zerfall der Nationen in eine formlose Bevölkerung, die schließlich in ein Imperium von allmählich wieder primitiv-despotischem Charakter zusammengefast werden. Und: Das Reich der Bücher versinkt in Vergessenheit. Von nun an werden Heldenschicksale im Stil der Vorzeit wieder möglich.
Spengler sah auch, wie sich die Demokratie selber abschafft: Aufgabe der Demokratie war es, Rechte zu erkämpfen. Jetzt sind diese Rechte erobert, aber die Enkel sind selbst durch Strafen nicht mehr zu bewegen, von ihr Gebrauch zu machen. Schon zur Zeit Cäsars beteiligte sich die anständige Bevölkerung kaum noch an Wahlen. Nero konnte auch durch Drohungen die Ritter nicht mehr zwingen, zur Ausübung ihrer Rechte nach Rom zu kommen. Das ist das Ende der großen Politik, die einst ein Ersatz des Krieges durch geistigere Mittel gewesen war und nun dem Kriege in seiner ursprünglichsten Gestalt wieder Platz macht.
Er hat sogar, in gewissem Sinn, die Macht des Internets vorausgesehen:
Einst durfte man nicht wagen, frei zu denken; jetzt darf man es, aber man kann es nicht mehr. Man will nur noch denken, was man wollen soll, und eben das empfindet man als seine Freiheit.
Wahlprogramme und Parteien werden überflüssig:
Die Gesinnung, die abstrakten Ideale aller echten Parteipolitik lösen sich auf, und an ihre Stelle tritt die Privatpolitik, der ungehemmte Machtwille weniger Rassemenschen.
(Das Wort "Rasse" hatte zu Spenglers Zeit eine andere Bedeutung als bei den Nazis: Er meint damit 'herausragende Persönlichkeiten'.) Die Massen machen die Demokratie nicht besser, die großen Volksparteien verschwinden: Je allgemeiner das Wahlrecht, desto geringer wird die Macht einer Wählerschaft. Sein düsteres Fazit: Jede Demokratie führt zur Aufhebung von sich selbst. Spengler weiß auch warum:
Durch das Geld vernichtet die Demokratie sich selbst, nachdem das Geld den Geist vernichtet hat. (So kommt es zum) Endkampf zwischen Wirtschaft und Politik.
Nur wer viel Geld hat, betreibt inzwischen Wahlkampf und später Politik. Trump ist dafür das beste Beispiel: Er bekennt sich zu keiner Partei und zu keinem Wahlprogramm, nur zu sich selbst. Möglich macht das sein immenser Reichtum. Auch dessen Wahlkampf hat Spengler (100 Jahre vor Trump!) so charakterisiert:
... mit schamlosem Lob der Anwesenden, wahnwitzigen Lügen über den Gegner ...
Und sogar die Diffamierung der Presse als "Lügenpresse" war ihm schon bekannt:
Was ist Wahrheit? Für die Menge das, was man ständig liest und hört.
Und so werden die Mächte der globalisierten Wirtschaft und der internationalen Finanzmärkte auch in Zukunft die Politik beherrschen, egal, ob die Herren und Frauen an der Spitze meinen, sie wären unabhängig:
Die privaten Mächte der Wirtschaft wollen freie Bahn für ihre Eroberung großer Vermögen. Keine Gesetzgebung soll ihnen im Wege stehen. Sie wollen die Gesetze machen, in ihrem Interesse, und sie bedienen sich dazu ihres Werkzeugs, der bezahlten Partei.
Oder des bezahlten Herrschers. Und das Volk macht mit und treibt sehenden Auges in den Untergang. Oder ins Schlachthaus. Was ich vergessen habe: Spengler wagt sogar eine zeitliche Festlegung seiner Prognosen. Die Zeit des Cäsarismus liegt nach ihm im Intervall 2000 bis 2020. Wäre schön, wenn der Spuk zu diesem Zeitpunkt enden würde. Aber damit hat sich Spengler wohl geirrt.

-Peter Ripota-

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Schwarze Löcher wurden von Karl Schwarzschild 1916 theoretisch aus den Formeln der Allgemeinen Relativitätstheorie von Albert Einstein abgeleitet. 1967 schuf John Archibald Wheeler den begriff "Schwarzes Loch" für diese Gebilde. Schwarze Löcher verschlucken alles für immer, Materie, Energie, Strahlung und Information. 1974 publizierte Stephen Hawking eine Hypothese, wonach Schwarze Löcher auch verdampfen können ("Hawking-Strahlung"), und in seinem Buch "Das Universum in der Nussschale" äußerte er die Annahme, dass Schwarze Löcher bei ihrem Ableben die gesammelte Information wieder ausspucken.

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