Notizen 162

Wenn der Rundbrief nicht richtig angezeigt wird, klicken Sie bitte hier.

Mehr Aphorismen, selbstgestrickt

Bald kommt die Adventszeit, da ist ein wenig Besinnlichkeit angebracht.

 

------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Er fürchtete die Stille; wenn alle schwiegen, hörte er das Klopfen seines Herzens, und es erschreckte ihn.
------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Der eine glaubte nicht an Gott und war stolz darauf; der andere glaubte an ihn und, war voll des Zweifels. Ihre Wege trennten sich früh, und erst am Ende der Tage trafen sie wieder zusammen. Es gab zwei Wege; der erste führte hinauf, der zweite hinab. Der Ungläubige in seinem Stolz verleugnete das Bild und übersah den ersten. Der Gläubige in seinem Zweifel hielt sich für unwürdig und wählte den zweiten. Und so durchschritten sie gemeinsam die Ewigkeit.
---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Er war ein scharfer Denker und suchte unerbittlich nach der Wahrheit, soweit sie in sein Weltbild passte.
-------------------------------------------------------------------------------------------------------
Über alles liebte er die Kinder, besonders vor den Kameras der Wochenschauen.
-------------------------------------------------------------------------------------------------------
Er konnte keiner Fliege etwas zuleide tun. Wenn ihn eine umschwirrte, fing er sie vorsichtig und ließ sie behutsam ins Freie. Dann setzte er sich hin und unterschrieb weiter seine Todesurteile.
----------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Sie sprechen von Freiheit und meinen die Freiheit, andere zu plündern.
Sie sprechen von Fortschritt und meinen bessere Waffen.
Sie sprechen von Frieden und meinen totale Unterwerfung.
Sie sprechen von Tugend und meinen fehlendes Laster.
Sie sprechen von Verzeihen und meinen die eigenen Fehler.
Sie sprechen von Moral und meinen die andern.
---------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Er war zu allem fähig; sogar zu etwas Gutem.
---------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Er sprach von Liebe und meinte Besitz; sie sprach von Liebe und meinte Hingabe. So führten sie eine glückliche Ehe.
----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Er liebte es, die Menschen zu provozieren, und wenn man ihn fragte, warum er dies tue, antwortete er: So bin ich eben.
----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Er träumte sein Leben lang von einem schönern Land, und als er dann erwachte, sah er die Welt in ihrer Hässlichkeit. Da schloss er wieder die Augen und träumte weiter, doch sein Paradies war nunmehr benetzt vom Tau der Bitterkeit.
---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Er glaubte an das Gute im Menschen, und da er es nicht bei jedermann fand, verlor er seinen Glauben. Seitdem hasst er die Menschen.
Er glaubte an das Schlechte im Menschen, und dass er es in einem fand, bestätigte seinen Glauben. Seitdem verachtet er die Menschen.
So lebten sie, so starben sie, und keiner nennt mehr ihre Namen.
--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
Er spielte leidenschaftlich Schach; sein Partner war das Leben. Die meisten Leute waren Bauern, und manche Springer, Läufer oder Türme. Es gab sehr wenig Damen, und einen König stets zu einer Zeit. Doch eines Tages begegnete er einem Menschen. Er sah ihn an und dachte nach und schob ihn hilflos dann beiseite. Jetzt spielt er wieder Schach, doch manchesmal, in schlechten Träumen, sieht er sich selbst als Bauern, und schwarze Pfoten würfeln die Figuren...
-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

 ... und hier noch meine Grabinschrift:

"Wer bist du?" fragte ihn der Richter der Toten. Er aber blieb stumm, denn er wusste keine Antwort. Doch der Totenrichter beharrte auf einer Entgegnung, und so sagte der Mann vor dem Richter nach langem Zögern:
Ich bin ein Sandkorn im Staub des Universums.
Ich bin ein Atomfragment im Kosmos der ewigen Dunkelheit.
Ich bin ein Wellenkräusel im Meer des Unendlichen.
Ich bin eine unendlich kleine Größe in der Stufenfolge des immer Fortschreitenden.
Ich bin ein i-Punkt in der Bibliothek zu Babel mit ihren unendlich vielen Büchern.
Ich bin ein verwehter Gedankenfetzen im Bewusstsein des Universums.
"Und was", fragte ihn der Richter der Toten, "hast du in deinem Leben getan?" Da antwortete der Mann ohne Namen:
- Ich habe lauwarmes Wasser getrunken und dachte, es wäre Wein.
- Ich habe Wein getrunken und gedacht, es sei Wasser.
- Ich habe ein paar Katzen gestreichelt und geglaubt, sie genössen meine Hand.
- Ich habe geredet und gedacht, die Leute hören mir zu.
- Ich habe zugehört und gedacht, ich verstehe mein Gegenüber.
- Ich habe den Hauch der blauen Dämmerung gesehen und gedacht, dies wäre die gleißende Wüstensonne.
- Ich habe Menschen vor den Kopf gestoßen, und die haben's nicht einmal bemerkt.
- Ich habe mich an der Schönheit mathematischer Formeln begeistert und gedacht, dies sei die Wirklichkeit.
- Ich habe mich eingeschlossen und geglaubt, dies sei die große weite Welt.
- Ich habe geträumt und gemeint, ich sei wach und lebe.
- Ich bin erwacht und habe es nicht einmal bemerkt.
- Ich habe die Dunkelheit eines schmierigen Tanzsalons für die Wunder der Welt gehalten.
- Ich habe einen Doppelstern gesehen, sogar mit freiem Auge. (Immerhin, es war Epsilon Lyrae.)
- Ich habe meinen Verstand benutzt und geglaubt, ich denke.
- Ich habe mein Herz geöffnet und gedacht, ich liebe.
- Ich habe mich zurück gelehnt und gedacht, ich lebe.
- Ich habe das Zirpen von Grillen gehört und geglaubt, es sei Musik.
- Ich habe einen Schwarm von Glühwürmchen gesehen und gedacht, dies sei die Unendlichkeit.
- Ich habe Staub gewischt mit meinen Fußsohlen und gedacht, ich tanze.
Da schüttelte der Richter der Toten sein Haupt und sprach sein schreckliches Urteil: "Ich verurteile dich zu einem Leben voll Risiko und Gefahr, voll tiefer Gespräche und seichter Gesten, voller Menschen und Bewegungen. Mögest du niemals zur Ruhe kommen und endlich erwachen!"
-------------------------------------------------------------------------------------------------------------

-Peter Ripota-

Kommentare, Kritik, Vorschläge bitte direkt an diese Adresse.

--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Wenn Sie meine früheren Notizen kennen lernen oder nochmals lesen wollen, Sie finden diese im Archiv

Schwarze Löcher wurden von Karl Schwarzschild 1916 theoretisch aus den Formeln der Allgemeinen Relativitätstheorie von Albert Einstein abgeleitet. 1967 schuf John Archibald Wheeler den begriff "Schwarzes Loch" für diese Gebilde. Schwarze Löcher verschlucken alles für immer, Materie, Energie, Strahlung und Information. 1974 publizierte Stephen Hawking eine Hypothese, wonach Schwarze Löcher auch verdampfen können ("Hawking-Strahlung"), und in seinem Buch "Das Universum in der Nussschale" äußerte er die Annahme, dass Schwarze Löcher bei ihrem Ableben die gesammelte Information wieder ausspucken.

---------------------------------------------------------------------

Wenn Sie den Rundbrief in Zukunft nicht mehr erhalten wollen, können Sie Ihre E-Mail-Adresse hier aus dem Verteiler löschen:

http://stereo.peter-ripota.de/newsletterabonn-de-3502.html

Impressum: Angaben gemäß § 5 TMG:
Peter Ripota, Zusserfeldstr. 21, 84174 Eching
Kontakt: Telefon: 08709/9432024, E-Mail: tango@peter-ripota.de
Umsatzsteuer-ID: 67 189 153 024
Verantwortlich für den Inhalt nach § 55 Abs. 2 RStV:
Peter Ripota, Zusserfeldstr. 21, 84174 Eching