Notizen 159

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Terrorismus in Deutschland

 

Vor einiger Zeit wurde ein Selbstmordattentäter in Chemnitz erkannt und in Leipzig gestellt. Inzwischen hat er bedauerlicherweise (für ihn) nur den ersten Teil seines im Namen angekündigten Auftrags ausgeführt, der eigentlich erst als zweiter Teil folgen sollte. Dennoch: Ist jetzt die Gefahr gewachsen, dass der islamistische Terror auch Deutschland erreicht?

Als erstes müssten wir definieren, was wir unter "Terrorismus" verstehen. Für die einen sind ganz normale Journalisten bereits Terroristen, und sie werden entsprechend verfolgt. Für die anderen sind Selbstmordattentäter Märtyrer, die demnächst die Himmelspforte durchschreiten. Noch schwieriger wird es, wenn wir versuchen, die Ursachen des Terrorismus zu erforschen oder gar Ratschläge zu geben, wie man ihn (und seine Anhänger) bekämpfen kann. Nein, wir wollen der Einfachheit halber untersuchen, was den Terrorismus, so er nun mal entstanden ist, am Leben hält, und welche Schlussfolgerungen sich aus den jüngsten Vorfällen daraus ergeben.
Da gibt es hauptsächlich drei Kriterien.
(a) Das Wichtigste hat schon Mao Tse-Tung erkannt, als er seinen Guerillakämpfern den Rat gab: Ihr müsst euch wie Fische im Schwarm verhalten, also unauffällig in der Bevölkerung agieren und dort auch bei Bedarf untertauchen. Was voraussetzt, dass die Bevölkerung mitmacht. Der chinesische Führer fuhr gut damit, sein Nachahmer Ho Tschi-Minh in Vietnam ebenfalls. Bei Terroristen ist es genauso: Sie brauchen die Unterstützung der Bevölkerung, und sei es nur, um sich mal in der Wohnung eines harmlosen Bürgers verstecken zu können. Das haben alle Terror-Organisationen gemacht. Sobald aber die Unterstützung der Bevölkerung erlahmt, geht es mit der Organisation bergab. Sie wird eine Weile noch rabiater, gefährlicher, tödlicher. Sie verübt noch mehr Attentate und Morde, aber das hilft nichts. Irgendwann gibt sie auf. So geschehen mit der IRA (Irland, pardon: Nordirland), mit der RAF (Deutschland, pardon: Westdeutschland), mit der ETA (Spanien, pardon: Baskenland). Selbst palästinensische Organisationen, die mit Bombenattentaten auf Israelis viel Erfolg hatten, werden zunehmend zurückhaltend. Möglicherweise will das Volk einfach nichts mehr davon wissen. Man kann also den Terrorismus in gewisser Weise austrocknen.
(b) Dann müssen terroristische Akte durch starke Argumente gerechtfertigt werden. Starke Argument sind der Kampf gegen Unterdrücker im Lande (Kolonialvölker, Palästina, Basken, Iren, Tamilen), die Begründung durch heilige Schriften (islamistische und evangelikale Terror-Organisationen) oder durch eine Endzeit-Ideologie als Religionsersatz (RAF, rechte Mörderbanden wie der nationalsozialistische Untergrund oder der Kukluxklan). Aber was, wenn der Märtyrertod nicht mehr gefragt ist? Wenn die Religion keine Stütze mehr darstellt? Wenn die Vision einer rassereinen Volksgemeinschaft baden geht? Dann werden immer weniger Menschen bereit sein, das Leben anderer oder gar das eigene Leben für eine hohle Vision zu opfern.
(c) Als drittes brauchen Terror-Organisationen Reklame und Erfolg. Einem Gefangenen die Kehle durchzuschneiden und das Ganze auf Facebook oder Youtube zu veröffentlichen, das erschlägt beides. Was aber, wenn die Leute das gar nicht mehr sehen wollen oder der Erfolg ausbleibt?
Wie sehen diese Kriterien beim Fall des verhinderten Attentäters von Chemnitz aus? Kurz gesagt: Er hat bei allen dreien versagt. Als er Unterschlupf suchte (über Internet!), da erhielt er diesen zwar, aber seine Landsleute unterstützten seine Aktionen nicht. Sie fragten im Internet nach, was sie mit ihm tun sollen, und die Gemeinschaft der Internet-Nutzer sagte ihnen: Übergebt ihn der Polizei. Wir kommen aus dem Krieg, wir wollen keinen neuen. So fesselten ihn die Gastgeber und übergaben ihn den Behörden. Nix mit "Fisch im Wasser". Der Fisch zappelte im Trockenen.
Und das mit dem Märtyrertod ist zumindest bei den in Deutschland lebenden Syrern kein positiver Mythos. Niemand will das hier, weder die jungen Männer, noch ihre Mütter, Väter, Schwestern und Onkel. Kriterium (b) ist also nicht erfüllt. Und am schlimmsten war's wohl mit (c): Der Islamische Staat (IS), der sich jeden wirren Amokläufer auf die eigenen Fahnen schreibt, selbst wenn er gar nichts mit dessen Zielen zu tun hat, schwieg auffällig laut. Fehlt nur noch, dass er sich von dieser Nicht-Tat distanziert. Denn sie bringt weder Reklame noch Erfolg. Einen Selbstmord-Attentäter, der nur Selbstmord begeht, ohne auch nur ein Attentat versucht zu haben, den braucht niemand
Fazit: Verstärkte Überwachung ist sicher gut, aber wichtiger ist Aufklärungsarbeit in der Bevölkerung. Die Grundlagen für einen fruchtbaren Boden dieser Giftpflanze sind zu dünn, um sie am Leben zu erhalten. Immerhin, eine erfreuliche Erkenntnis.

-Peter Ripota-

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Schwarze Löcher wurden von Karl Schwarzschild 1916 theoretisch aus den Formeln der Allgemeinen Relativitätstheorie von Albert Einstein abgeleitet. 1967 schuf John Archibald Wheeler den begriff "Schwarzes Loch" für diese Gebilde. Schwarze Löcher verschlucken alles für immer, Materie, Energie, Strahlung und Information. 1974 publizierte Stephen Hawking eine Hypothese, wonach Schwarze Löcher auch verdampfen können ("Hawking-Strahlung"), und in seinem Buch "Das Universum in der Nussschale" äußerte er die Annahme, dass Schwarze Löcher bei ihrem Ableben die gesammelte Information wieder ausspucken.

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