Notizen 158

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Heimat bist du großer Söhne

So heißt es in der Österreichischen Bundeshymne, deren diesbezügliche Aussage inzwischen auf Grund einer „geschlechtergerechten Änderung“ auch auf Töchter erweitert wurde. Aber nicht alle Personen, auf die Österreich stolz ist, sind auch Österreicher.

Mit dem Problem der Staatsangehörigkeit (oder war es die Volkszugehörigkeit?) wurde ich zum ersten Mal konfrontiert durch einen empörten Leserbrief an das P.M.-Magazin. Ich hatte in einem Artikel behauptet, der geniale Physiker Nikola Tesla wäre Serbe gewesen; der Leser aber meinte, Kroate wäre seine richtige Volkszuweisung. Nachschlag im Lexikon (sowas gab es damals noch: Bücher, die Wissen enthielten!) ergab: Beide Eltern waren Serben. Geboren wurde er in dem kroatischen Dorf Smiljan, das hinwiederum zum Kaisertum Österreich gehörte. Mithin war er - ja was? Er selbst bezeichnete sich als Jugoslawe, und später wurde er dann Amerikaner.
Noch viel früher in der Geschichte gab es eine mythologische Gestalt, die zwei ganz unterschiedliche Völker für sich beanspruchen. In Deutschland wird er als Deutscher verehrt unter dem Namen Karl der Große. In Frankreich wird er als Franzose verehrt unter dem Namen Charlemagne. In beiden Ländern heißt er auch Karl I ("der Erste"). Er war aber weder Deutscher noch Franzose, diese Völker gab es noch gar nicht. Karl war Franke. Die Franken gibt es immer noch, obzwar sie heute zu Deutschland gehören, während ihr Name eher auf Frankreich verweist. Nationalität ungeklärt, am besten: Europäer.
Doch jetzt wird's kritisch. Österreichs größter Sohn, Wolfgang Amadeus Mozart, war alles mögliche, aber bestimmt kein Österreicher! Sein Vater kam aus Augsburg, war also Deutscher. Nach dem heute geltenden österreichischen Staatsbürgerschaftsgesetz wäre der Sohn automatisch Deutscher geworden. Das Gesetz gab es aber damals noch nicht. Mozarts Mutter kam aus dem Salzkammergut, war also Österreicherin. Geboren wurde Wolferl in Salzburg, und diese Stadt gehörte definitiv nicht zu Österreich. Salzburg war damals ein eigenständiges Fürsterzbistum auf bayerischem Boden im römisch-deutschen Reich. 1805 fiel Salzburg an Österreich, 1810 an Bayern, 1816 an Österreich, 1938 an Deutschland, 1945 an Österreich. Und sein größter Sohn war also (in dieser Reihenfolge) Salzburger, Bayer, Deutscher. Zudem hat Mozart zu Beginn seiner Karriere versucht, in Augsburg, Mannheim und München - also in Deutschland - Fuß zu fassen, was ihm nicht gelang. In seiner Heimatstadt konnte er sich nicht entfalten, und erst die Wiener akzeptierten den "gar närrischen Gesell". Also: Ehrenwiener.
Kennen Sie einen Herrn mit Namen Franz Eugen Helmuth Manfred Nidl-Petz? Er war der erfolgreichste Schlagersänger Deutschlands. Wenn Sie an die "Gitarre und das Meer" denken, wissen Sie vielleicht, dass sich hinter dem langen Namen, kurzgesagt, Freddy Quinn verbirgt. Was hat der mit Österreich zu tun? Vielleicht nichts, denn man weiß nicht, in welcher Stadt er geboren wurde. Zur Auswahl stehen Wien (Österreich), Niederfladnitz (Österreich), und Pula (damals Italien). Freddy wird als österreichischer Schlagersänger geführt, doch die Familienverhältnisse verwirren. Der Vater war Ire, die Mutter Österreicherin. Gezeugt wurde er in Hamburg, geboren ist er - wissen wir nicht - , aufgewachsen in den USA, in Wien und in Amsterdam. In Hamburg wurde er entdeckt und berühmt; dort erhielt er auch später die Ehrenbürgerschaft. Jeder verbindet ihn mit der Reeperbahn, mit dem weiten Meer, mit der Sehnsucht nach fernen Ländern, mit Heimweh und Häfen. Keiner denkt bei ihm an ein Wiener Lied. Zudem vertrat er Deutschland beim Grand Prix Eurovision de la Chanson (heute: Eurovision Song Contest). Österreicher oder nicht?
Dagegen wird ein anderer Entertainer im Ausland immer als typischer Österreicher geführt, obwohl er keiner ist. Der zweifache Oscar-Preisträger Christoph Waltz wurde in Wien als Sohn einer österreichischen Mutter und eines deutschen Vaters geboren. Nach den geltenden Regeln übernahm Waltz automatisch die Staatsbürgerschaft seines Vaters, er war und ist also offiziell Deutscher. In amerikanischen Gesprächsrunden dagegen firmiert er als typischer Österreicher, der den Unterschied zwischen Österreichern und Deutschen erklärt, nachdem er versichert hat, dass es in Österreich keine freilaufenden Kängurus gibt. Das muss man in Amerika immer dazusagen, sonst wird man verwechselt. 2010 erhielt er wegen seiner „Verdienste im Interesse der Republik“ zusätzlich die österreichische Staatsbürgerschaft. Irgendwie scheint er ja auch ziemlich österreichisch zu sein. In einem Interview des ZEIT-Magazins sagt er: "Ich bin ein anderer". Das klingt ziemlich ähnlich dem Spruch des österreichisch-ungarischen Dichters Ödön von Horvath: "Eigentlich bin ich ein ganz anderer, aber ich komme so selten dazu."
Jetzt geht es um zwei Männer, die zweifelsfrei Wiener sind, von Geburt und Charakter: Peter Alexander und Helmut Qualtinger. Beide wurden in Wien geboren, sie wuchsen dort auf, wurden dort berühmt, trugen Wien ihr ganzes Leben lang im Herzen. Der eine besang die schönen Seiten des goldenen Wienerherzens, wobei das 'Gold' die Strahlkraft der Stadt und die Freundlichkeit seiner Bewohner symbolisiert. Der andere rieb sich an den üblen Seiten des Metalls, das sich, in dünner Form, jeder Oberfläche anpasst und keinerlei Verbindungen eingeht. Die beiden sind wie der gute Dr. Jekyll und der böse Mr. Hyde. Peter Alexanders erfolgreichster Schlager war das Lied vom "Kleinen Beisel" (deutsche Version: "Die kleine Kneipe"), eine Hymne an den Ort, wo noch echte Wiener Gemütlichkeit herrscht. Für dieses Lied wurde der Künstler geliebt. Helmut Qualtingers erfolgreichstes Stück war "Der Herr Karl", ein Röntgenbild des opportunistischen Wendehalses, zynisch, menschenverachtend, gerissen und egoistisch. Für dieses Drama wurde der Künstler gehasst. Aber wo ist der echte Wiener?
Diese beiden Künstler sind zweifellos typische Wiener; sind sich auch typische Österreicher? Da könnte man genauso gut so kernige Tirolertypen erwähnen wie Luis Trenker oder Reinhold Messner. Doch die beiden sind bekanntlich Italiener ...

-Peter Ripota-

PS. Eines meiner großen Idole, dessen Namen ich nur mit größter Verehrung nenne, ist für mich auch Österreicher: Der Vater des Tänzers Fred Astaire, Friedrich Emanuel Austerlitz, wurde in meiner Heimatstadt Linz geboren. Er zog später nach Wien und dann in die USA. Die Leichtigkeit, die Musikalität und der Charme seines Sohnes liegt sicher in den Genen ...
 

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Schwarze Löcher wurden von Karl Schwarzschild 1916 theoretisch aus den Formeln der Allgemeinen Relativitätstheorie von Albert Einstein abgeleitet. 1967 schuf John Archibald Wheeler den begriff "Schwarzes Loch" für diese Gebilde. Schwarze Löcher verschlucken alles für immer, Materie, Energie, Strahlung und Information. 1974 publizierte Stephen Hawking eine Hypothese, wonach Schwarze Löcher auch verdampfen können ("Hawking-Strahlung"), und in seinem Buch "Das Universum in der Nussschale" äußerte er die Annahme, dass Schwarze Löcher bei ihrem Ableben die gesammelte Information wieder ausspucken.

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