Notizen 157

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Haben die Deutschen keinen Humor?

Den Deutschen wirft man Griesgrämigkeit und Humorlosigkeit vor. Dabei gibt es in keinem Land so viel gute Kabarettisten, Komiker, Comedians. Wieso sind die Deutschen dann immer noch als humorlos verschrien?

 Haben die Deutschen keinen Humor oder nur dann, wenn sie dürfen? Die Kunsthistorikerin Cornelia Neumann verkündet in ihrer Magisterarbeit " Nonsense versus Tiefsinn? Ein interkultureller Vergleich des deutschen und englischen Humors am Beispiel der Fernsehsketche von Loriot und Monty Python" gleich zu Beginn ihre Erkenntnis: "Es kann nicht behauptet werden, es gäbe keinen deutschen Humor - dafür gab und gibt es hierzulande zu viele Komiker."
Indes: Wie praktisch alle Deutschen macht Frau Neumann keinen Unterschied zwischen "Witz" und "Humor", genausowenig wie die Deutschen zwischen "Erotik" und "Sex" unterscheiden können. Witz ist, wenn jemand sagt: Jetzt kommt ein Witz, du darfst lachen. Humor ist, wenn niemand sagt, jetzt wird's lustig und man möglicherweise auch nicht lachen kann. Hier erst ein hübscher und etwas anzüglicher Witz:
Ein Börsenmakler kommt beschwingt nach Hause und freut sich auf eine heiße Nummer mit seiner Gattin. Als sie im Bett liegen, sagt er: Liebling, die Aktien steigen!" Sie entgegnet indigniert: "Die Börse ist geschlossen" und dreht sich von ihm weg. Nach einer Weile besinnt sie sich doch anders und flötet: "Liebling, die Börse hat wieder geöffnet!" "Zu spät" brummt er, "ich habe inzwischen die Aktien unter der Hand verschleudert."
Und jetzt etwas, das mit Humor zu tun hat, aber nicht zum Lachen ist:
Im Konzentrationslager erlaubt sich einer der SS-Leute wieder mal einen Scherz. Breitbeinig baut er sich vor einem vor ihm kauernden Juden auf und sagt: Jude, du weißt, dass du hier nicht lebend rauskommst. Aber ich will dir gnädig sein, wenn du errätst, welches meiner Augen ein Glasauge ist. Der Jude blickt ihn kurz an und sagt dann: Das rechte, mein Herr. Stimmt, sagt der SS-Mann, und wie hast du das erraten? Daraufhin der Jude: Es blickt so gütig.
Vielleicht sehen Sie langsam den Unterschied. Witz ist ein Gesellschaftsspiel, Humor die Bewältigung des Lebens durch Überhöhung ins Absurde. Wenn ich in einem Gespräch mit einem Engländer etwas Ironisches oder gar Absurdes sage, wird er höchst erfreut auf diese Unterhaltung einsteigen und sie selbst vorantreiben. Wenn ich in einem Gespräch mit einem Deutschen etwas Ironisches oder gar Absurdes sage, wird er mich verunsichert anschauen und fragen: Wie hast du das gemeint?
Warum das so ist, hat der Anglizist Hans-Dieter Gelfert in seinem hübschen Büchlein "Max und Monty. Kleine Geschichte des deutschen und englischen Humors" ausführlich erläutert. Seine These: Die Engländer haben eine lange Tradition der Demokratie, der Sicherheit und der gemeinsamen Traditionen. Deswegen können sie gefahrlos aus dem Alltag aussteigen und mit absurdem, chaotischem, respektlosen oder schwarzen Humor sich über sich selbst lustig machen (nicht über andere!). Die Deutschen litten unter einem entsetzlichen Krieg, der dreißig Jahre lang das Land verwüstete, unter Unsicherheit, religiöser Verfolgung, politischer Hilflosigkeit und autoritärer Moral. Ihnen fehlt die Sicherheit zum Lachen. Denn, wie der Volksmund es so schön ausdrückt: Humor ist, wenn man trotzdem lacht.
Viel Hoffnung hab ich nicht, dass sich das ändert, jedenfalls nicht, nachdem der letztjährige Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis für Fernsehjournalismus an die satirische Nachrichtensendung "heute-show" von Oliver Welke vergeben wurde. Die kurzen Ausschnitte, die anlässlich der Verleihung gezeigt wurden, deuten auf eine Sendung absolut ohne Humor hin, wo andere durch unfaire Tricks lächerlich gemacht und der Zuschauer anschließend zum Lachen aufgefordert wird. Das, meine Herren Juroren, ist kein Humor!


Falls Sie bis dahin durchgehalten haben: Noch ein paar Witze aus meiner Sammlung.
Erst mal ein Türkenwitz, ein bisschen anders:

Der kleine Ahmed, ein türkisches Kind, kann so gut Deutsch, dass der Lehrer immer wieder begeistert ist und ihn als Vorbild für die deutschen Schüler hinstellt. Schließlich sagt er zu ihm: "Ahmed, für mich bist du kein Türke, sondern ein Deutscher. Ich erkläre dich hiermit zu einem Deutschen und nenne dich ab jetzt Alfred."
Ahmed kommt nach Hause und erzählt voll Stolz seinem Vater: "Der Lehrer ist so begeistert von mir, dass er mich zu einem Deutschen gemacht hat und mich jetzt nur noch Alfred nennt." Da gibt ihm der Vater eine fürchterliche Ohrfeige. Der kleine Ahmed läuft nach draußen und bleibt heulend am Straßenrand sitzen. Seine Kameraden kommen vorbei und fragen: "Ahmed, was ist denn los mit dir?" Und Ahmed sagt: "Jetzt bin ich seit drei Stunden Deutscher, und schon hab ich Zoff mit einem Türken!"

Jetzt was Anzügliches:

Ein Ehepaar will zum Maskenball gehen, aber die Frau bekommt Kopfweh und sagt zu ihrem Mann: "Schatz, ich bleib daheim, geh du hin und amüsier dich gut." Der Mann geht also alleine auf den Ball.
Nach einiger Zeit geht es der Frau wieder besser, und sie beschließt, doch noch auf den Ball zu gehen. Da sie das Kostüm ihres Mannes kennt, kann sie ihn beobachten, wie er eifrig mit den Damen flirtet. Schließlich macht sie sich - natürlich unerkannt - an ihn ran, die beiden verschwinden nach kurzer Zeit in einem Nebenzimmer und haben hemmungslosen Sex miteinander.
Am nächsten Tag fragt die Frau ihren Mann scheinheilig: "Na Schatz, wie war's denn?" Woraufhin er sagt: "Ach weißt du, es war so langweilig, dass ich mit meinen Freunden die ganze Nacht Poker gespielt habe. Aber der Freund, dem ich mein Kostüm geliehen habe, der hat ganz tolle Sachen erlebt!"

Zuletzt etwas für Liebhaber des Absurden - oder ist das, was Sie jetzt zu lesen bekommen, vielleicht sogar echt? Bitte dem Gegenüber laut vorlesen!

BETRIEBSANLEITUNG
Wir beglückwünschen Sie zum Kauf einer Züstelmann Krawuse XLR 200/d Kombi-de luxe. Zur Inbetriebnahme der Krawuse den vorderen Schierzwengel auflüssen, das Oberpoll übernippen und die seitlichen Abzüsche penzen. Danach die Passiometer (Abb. r) an die hinteren Zerrloken anschwatten (Abb. K) und den Überzant antrepfen. Nun nösern Sie das Schwant (Abb. 213) und entfernen das Müff aus dem Soderplant. Beachten Sie dabei, dass das Müff nie auf den Schierzwengel plenken darf, sondern immer nur im Zudelgehäuse abgepronzt werden soll (Abb. XXIV). Sollte der Pierstappel einmal futzen, nur leicht mit Onzo einstenzen und zwöbeln. Nicht prollen! Nun den Finschwabel einige Minuten lang einsibern lassen und dann das Krantenpretz aufzageln. Sobald Sie nun den Suderpempel schrambemsern, ist Ihre Krawuse einsatzbereit.
Diese Gebrauchsanweisung gilt sinngemäß auch für das Modell de luxe plus, für Druckkochtöpfe und Schuhlöffel. Bei Inbetriebnahme von Schuhlöffeln wird Punkt 32a ausgelassen.

(Aus "Deutsch für Außerirdische" von Martin Auer, Mandelbaum Verlag)

Dieser Beitrag erschien bereits in wesentlich kürzerer Form auf Seniorbook.

-Peter Ripota-

Kommentare, Kritik, Vorschläge bitte direkt an diese Adresse.

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Wenn Sie meine früheren Notizen kennen lernen oder nochmals lesen wollen, Sie finden diese im Archiv

Schwarze Löcher wurden von Karl Schwarzschild 1916 theoretisch aus den Formeln der Allgemeinen Relativitätstheorie von Albert Einstein abgeleitet. 1967 schuf John Archibald Wheeler den begriff "Schwarzes Loch" für diese Gebilde. Schwarze Löcher verschlucken alles für immer, Materie, Energie, Strahlung und Information. 1974 publizierte Stephen Hawking eine Hypothese, wonach Schwarze Löcher auch verdampfen können ("Hawking-Strahlung"), und in seinem Buch "Das Universum in der Nussschale" äußerte er die Annahme, dass Schwarze Löcher bei ihrem Ableben die gesammelte Information wieder ausspucken.

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