Notizen 152

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Vom Leben der Schimpansen

Sie teilen 99% der Gene mit uns; sie sind also unsere nächsten Verwandten. Können wir aus ihrem Verhalten etwas lernen?

Schimpansen essen gern Bananen und streiten sich manchmal ums Futter (oder um Weibchen). Außerdem sehen sie lustig aus und spielen in Filmen mit. Tarzans beste Freundin war nicht Jane, sondern eine Schimpansendame namens Cheeta. Gibt es noch mehr über unsere tierischen Verwandten zu berichten?

Me Tarzan, who Cheeta? (Quelle: MAD)

Bei Rescherschen über die Ursachen des Terrorismus stieß ich auf ein Buch, in dem das Verhalten der Menschenaffen ausführlich geschildert wurde. Was da zum Vorschein kam, war erschreckend: Unsere tierischen Verwandten kennen all das, was wir bei Menschen so entsetzlich finden. Sie schlagen ihre Frauen und bringen Nebenbuhler um. Sie begehen Völkermord, sind sadistisch veranlagt und unfähig, irgendetwas Fremdes neben sich zu dulden. Unbekanntes gibt es nur als Totschlag- oder Nahrungsobjekt. Am schlimmsten aber fand ich, was der Primatenforscher Frans de Waals beobachtet hatte: Eine Schimpansenhorde wurde zu groß und teilte sich. Die Hälfte zog von dannen und eroberte ein neues Revier. Als die beiden Gruppen einander wiedertrafen, rotteten sie sich gegenseitig aus. Was heißt, dass einige Männchen der einen Gruppe einem Männchen der anderen Gruppe auflauern, wenn es allein oder zu weit von der Horde entfernt ist. Dann haben sie ihm die Luftröhre durchgebissen, das Fleisch aus dem Leib gerissen, sein Blut getrunken und ihm die Gelenke ausgekugelt. Halbtot haben sie es dann zum Sterben liegen gelassen und sich das nächste Opfer gesucht (oder sie wurden selbst zu Opfern).
Das Schreckliche daran sind nicht so sehr Brutalität und Grausamkeit, mit der die Schimpansenmännchen vorgingen. Hätten sie tödliche Waffen, wäre alles vielleicht schneller gegangen. Das Schreckliche daran: Sie kannten einander gut und hatten die gemeinsame Kindheit und Jugend nicht vergessen. Sie hatten einander früher das Fell gekrault und sich gegenseitig in die Arme genommen. Sie hatten einander gefüttert, beschützt und gewärmt. Sie hatten den Geruch des anderen noch im Gedächtnis. Was nichts an der brutalen Verstümmelung des Sandkastenfreunds änderte.
Gut, dass wir Menschen anders sind. Sind wir das? Was gerade im Südsudan geschieht, ist nur ein Beispiel unter vielen: Angehörige unterschiedlicher Volksgruppen schlagen sich gegenseitig die Schädel ein. Vor einiger Zeit geschah das Gleiche in unglaublichem Maßstab in Ruanda und Burundi. Menschen, die man nicht einmal mehr richtig in eine bestimmte Volksgruppe einordnen konnte, brachten einander auf so grausame Wiese um, dass die spätere Botschafterin von Ruanda, nach den Ursachen dieser Unmenschlichkeit befragt, nur die Schultern zucken und ihre Unwissenheit kundgeben konnte. Doch wir brauche nicht in ferne Länder schweifen, das Böse ist so nah. Im Dritten Reich war es normal, dass Jungen, die miteinander aufgewachsen und beste Freunde waren, nun zu Todfeinden wurden, nur weil der Führer es befahl. Und in den 1990iger Jahren, als der Jugoslawienkrieg ausbrach, wurden Nachbarsfamilien, die seit Jahrhunderten friedlich zusammen gelebt hatten, zu Todfeinden. Sie schlugen einander die Schädel ein, und als Grund nannten sie: Der Führer hat's befohlen.
Was die Behandlung von Frauen betrifft, sind Affen besonders schlimm. Es ist so: Wenn ein fremdes Männchen das Alphatier entthrohnt, tötet es als erstes alle Kinder des frühere Herrschers - also alle dort lebenden Jungtiere. Das gilt für die aggressiven Schimpansen ebenso wie für die friedlichen Gorillas, und bei Löwen hat man dieses Verhalten sogar gefilmt.
Doch jetzt kommt das Unverständliche: Die Frauen geben sich nun dem neuen Herrscher hin, werden fruchtbar und kriegen von ihm Kinder, die sie, wenn sie Glück haben, auch großziehen können. Zumindest bis zum nächsten Kindermord. Kurzum: Brutalität wird belohnt. Menschen machen so was doch nicht, oder? In mehreren Beiträgen habe ich mich über das Verhalten mancher Frauen gegenüber brutalen (in meinen Augen: geistesgestörten) Männern gewundert. Wie zum Beispiel hier und hier. Nur ein Beispiel: In der Autobiographie der Porno-Darstellerin Linda Lovelace, die in den USA durch den Film "Deep Throat" bekannt wurde, schildert sie, wie sie einem Mann begegnete, der sie fördern will und dies erst auch mal tut. Aber seine Psyche scheint etwas labil zu sein, denn eines Tages rastet er aus nichtigem Grund aus und zertritt ihr mit dem Stiefel das Gesicht - für eine Schauspielerin etwas ganz Entsetzliches. Ihre Reaktion? Sie hat ihn kurz darauf geheiratet.
Mit den Schimpansen sind wir schon sehr verwandt ...

Lacht er noch oder fletscht er schon? Ist so schwer zu beurteilen ...

-Peter Ripota-

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Schwarze Löcher wurden von Karl Schwarzschild 1916 theoretisch aus den Formeln der Allgemeinen Relativitätstheorie von Albert Einstein abgeleitet. 1967 schuf John Archibald Wheeler den begriff "Schwarzes Loch" für diese Gebilde. Schwarze Löcher verschlucken alles für immer, Materie, Energie, Strahlung und Information. 1974 publizierte Stephen Hawking eine Hypothese, wonach Schwarze Löcher auch verdampfen können ("Hawking-Strahlung"), und in seinem Buch "Das Universum in der Nussschale" äußerte er die Annahme, dass Schwarze Löcher bei ihrem Ableben die gesammelte Information wieder ausspucken.

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