Notizen 151

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Vom Wesen der Religionen

So unterschiedlich die Religionen auch sind, sie scheinen doch alle einiges gemeinsam zu haben. Ein besonderer Gott (nicht unbedingt der einzig vorhandene) hat die Welt erschaffen. Es gibt göttliche Gebote und Verbote, und wer letztere überschreitet, wird von Gott oder von den Göttern bestraft. Ein Leben nach dem Tode ist irgendwie möglich, wird angedroht oder versprochen. Ist es so? Aber nein doch!

Deswegen will ich heute, leicht polemisch, zwei Religionen gegen einander stellen, die nicht unterschiedlicher sein könnten. Die erste propagiert Hass und Völkermord, die zweite Liebe und Verzeihen. Islam gegen Christentum? Aber nein doch!
Die Aufrufe unseres jüdisch-christlichen Gottes zu Fremdenhass und Völkermord sind in der Bibel so zahlreich. dass ich nur ein paar von ihnen zitiere. So heißt es bei 1Sam 15,3 (Gott spricht durch Samuel zu Saul): So zieh nun hin, schlage die Amalekiter und verbanne sie mit allem, was sie haben; schone sie nicht sondern töte Mann und Weib, Kinder und Säuglinge, Ochsen und Schafe, Kamele und Esel! Bei Richter 20,35-46 finden wir: (Gott) ließ sie ihre Stadt erobern, wo sie die ganze Bevölkerung abschlachteten. Und in Jes 63,5-7 lobt sich Gott selbst: Ich habe die Völker zertreten in meinem Zorn und habe sie trunken gemacht in meinem Grimm und ihr Blut auf die Erde geschüttet.
Aber, so der Einwand, das hat sich im Neuen Testament alles geändert, denn dort ruft Christus zu Barmherzigkeit und Nächstenliebe auf. Tut er das? Meist schon, aber manchmal kommt der Rachegeist des Alten Testament durch, wie z.B. bei Lukas 12,49: Ich bin gekommen, Feuer auf die Erde zu schleudern, und wie wollte ich, es wäre schon entzündet! Oder Lukas 17,28-30: An dem Tage aber, als Lot Sodom verließ, regnete es Feuer und Schwefel vom Himmel, und alle wurden umgebracht. So wird es auch geschehen, wenn der Menschensohn (Jesus) wieder kommt ... (An dem Tage) werden zwei auf dem Felde arbeiten. Einer wird (von Jesus) angenommen werden, der andere verstoßen.
Schließlich ist die Apokalypse des Johannes voll von freudvollen Ankündigungen des Untergangs der Menschheit, sofern von Gott befohlen: Und es wurden die vier Engel los, die bereit waren auf die Stunde und auf den Tag und auf den Monat und auf das Jahr, um ein Drittel der Menschen zu töten. (Offb 9,13-15). Oder Offb 19,20-21: Der falsche Prophet und die Ungläubigen wurden lebendig in den feurigen Pfuhl geworfen, der mit Schwefel brannte. Und sie werden gequält werden Tag und Nacht von Ewigkeit zu Ewigkeit (Offb 20,10). Die anderen wurden erwürgt mit dem Schwert, das aus dem Munde des Reiters (Jesus) ging und alle Vögel wurden satt von ihrem Fleisch.
Ein männlicher, zorniger, unbarmherziger Gott. Und jetzt das Gegenteil: eine liebevolle, tolerante, verständnisvolle Mutter als Grund des Seins. Die ist Zentralfigur der Religion des LaoTse (Laozi), der den Daoismus (Taoismus) begründete. Hier geht es um das "dao", einen unübersetzbarer Begriff. Manchmal heißt es bei uns "Weg", manchmal "Sinn", manchmal "Urgrund der Welt". Auf jeden Fall ist das dao kein allmächtiger, ewig beleidigter Schöpfergott, sondern eine stille Macht, die jeden aufnimmt und beschützt. Das heilige Buch des Laozi, das Tao Te King, enthält auch keine Selbsthudeleien oder Aufrufe zur Vernichtung der anderen. Es ist voll bescheidener Paradoxa, voll hintergründiger Anti-Logik, voller Aufrufe zu Demut und Zurückhaltung:
Wer wunschlos ist,
kann das Wunder des Weges erkennen;
wer Wünsche hat,
wird nur Scheinbares entdecken.

Denn:
(Das dao) erhebt keinen Anspruch auf Macht;
es schenkt ihnen Leben,
doch es erhebt keinen Anspruch auf Besitz;
es hilft ihnen,
doch es verlangt keinen Dank;
es vollendet sein Werk,
doch es erhebt keinen Anspruch auf Ehre.

Das hier klingt wie eine milde Kritik an anderen Religionen:
Den allerhöchsten Herrscher
können die Menschen nur ahnen;
dann erst kommt der,
den sie kennen und lieben;
dann der, den sie fürchten;
dann der, den sie verachten.

Und so weiter. Zuletzt mein Lieblingsspruch, so wunderbar tröstliche Worte:
Andere Menschen sind vergnügt,
als ob sie festlich einen Ochsen brieten
oder im Frühling in den Park gingen
und auf schönen Terrassen bummelten.
Ich aber treibe dahin, allein,
ohne zu wissen, wer ich bin,
wie ein neugeborenes Kind,
bevor es das erste Lachen lernt.

Ich bin allein und habe keinen Platz,
wohin ich gehen könnte.
Die Menschen haben mehr, als sie brauchen,
ich allein scheine nichts zu besitzen.
Mein Sinn ist wie der eines Narren leer.
Die andern sind lustig und froh,
ich allein bin trübe und kraftlos.

Die andern sind scharfsinnig und klug,
ich allein bin langweilig und dumm.

Ich treibe dahin wie die Wellen des Meeres,
ohne Richtung, wie ein Wind, der nie verebbt.
Die andern haben alle ein Ziel,
ich allein bin unwissend und ungebildet.
Ich bin anders als alle andern,
aber die Große Mutter hegt und pflegt mich.

-Peter Ripota-

Moses oder Laozi? Wem würden Sie sich anvertrauen? Vielleicht dem Ochsen? Der sieht zumindest freundlich drein ...

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Schwarze Löcher wurden von Karl Schwarzschild 1916 theoretisch aus den Formeln der Allgemeinen Relativitätstheorie von Albert Einstein abgeleitet. 1967 schuf John Archibald Wheeler den begriff "Schwarzes Loch" für diese Gebilde. Schwarze Löcher verschlucken alles für immer, Materie, Energie, Strahlung und Information. 1974 publizierte Stephen Hawking eine Hypothese, wonach Schwarze Löcher auch verdampfen können ("Hawking-Strahlung"), und in seinem Buch "Das Universum in der Nussschale" äußerte er die Annahme, dass Schwarze Löcher bei ihrem Ableben die gesammelte Information wieder ausspucken.

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