Notizen 147

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Die Zeit der Massenmörder

Wir glaubten, verschont zu bleiben, von Terrorismus und Gewalt, Und dann kam alles zugleich, noch dazu im "friedlichen" Süden: erst die Axt-Attacken eines Afghanen in einem bayerischen Regionalzug, dann der Amoklauf im Münchner Olympia-Einkaufszentrum. Sogar US-Präsident Obama nahm davon Notiz. Kommt der Terrorismus jetzt zu uns?

           

 

Es gibt offenbar keine allgemein akzeptierte Definition des Terroristen. Ursprünglich bezeichnete "Terrorismus" das Regime der französischen Revolutionäre gegenüber den alten Machthabern. Heute sind Terroristen Menschen, die im Namen ihres Gottes Menschen niedermähen; oder kritische Journalisten, die Missstände in ihrem Land aufdecken. Der Unterschied zwischen einem "Terroristen" und einem "Amokläufer" liegt darin, dass ersterer eine Rechtfertigung für seine abscheulichen Taten konstruiert, letzterer nicht. Mit anderen Worten: Beide handeln aus den gleichen Motiven - Grausamkeit, Rachsucht, Menschenverachtung - aber der eine braucht dafür eine Begründung, der andere nicht. Den Opfern ist das egal, und darum sprechen wir jetzt einfach von "Massenmördern" und meinen damit Personen, die bewusst, gezielt und ohne Zwang von außen möglichst viele Menschen zu Tode bringen wollen. Wer sind die gefährlichen Typen? Islamistische Fanatiker oder wohlerzogene Stützen der Gesellschaft? Die Antwort schockiert: Es sind letztere.
Nehmen wir den 'erfolgreichsten' deutschen Massenmörder seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Am 24. März 2015 hat ein gewisser Andreas Lubitz 150 Menschen (inklusive sich selbst) gezielt ermordet. Sein Instrument: ein Flugzeug, dessen Pilot er war. Da können andere Amokläufer und Terroristen nur vor Neid erblassen. Lubitzs Taten stehen kaum dem nach, was ein gewisser Anders Breivik in Norwegen am 22. Juli 2011 erfolgreich erledigte: 77 junge Menschen hat er eigenhändig erschossen. Er überlebte. Reue über die Tat: keine. Wohlgemerkt: Diese beiden extremen Massenmörder waren keine Terroristen, nicht einmal Amokläufer. Sie handelten nicht aus politisch-religiösen Motiven, sondern, weil es ihnen Spaß machte, auch wenn wir das nicht nachvollziehen können. Oder weil sie deprimiert waren - woraus sich anscheinend zwangsläufig ergibt, dass 149 andere Menschen dafür büßen müssen.
Innenminister Thomas de Maizière meinte, man müsse den Konsum gewaltverherrlichender (und Gewalt fördernder?) Videos einschränken, womit er Recht haben könnte. Untersuchungen in den USA zeigten: Amokläufer hatten in diesen Videos gelernt, auf bewegliche Objekte zu zielen und sie zu treffen - rein virtuell, ganz ohne Übungen in der Realität. Und es hat sich gezeigt: Die Art der Waffen bestimmen, wieviele Opfer es gibt (Tote, Schwerverletzte, Verletzte). Hätte Deutschland Waffengesetze wie die USA, wären die letzten beiden Anschläge anders verlaufen. Der Axt-Attentäter im Zug hätte eine Pumpgun gehabt und den halben Zug erschossen. Der Amokläufer besaß - illegal - eine Pistole, womit er genügend Schaden anrichtete. Unvorstellbar, was mit einem Maschinengewehr in seiner Hand geschehen wäre.
Was ist zu tun? Voraussehen kann man die Handlungen potenzieller Massenmörder nicht. Zu meinen, die Gefahr gehe nur von radikalen Islamisten aus, ist naiv. Die größten Opfer forderten christliche Fanatiker in Großbritannien: Im Nordirlandkonflikt der Jahre 1969 bis 1998 kamen schätzungsweise 1800 Menschen ums Leben. Die vielen kleinen Anschläge Rechtsradikaler gegen Asylantenheime und ihnen nicht genehme Politiker führen oft zu Toten und werden durch Hetze im Internet gefördert. Allein beim (rechtsradikal motivierten) Oktoberfestattentat vom 26. September 1980 wurden 13 Menschen getötet und 211 verletzt, 68 davon schwer. Der Anschlag gilt als schwerster Terrorakt der deutschen Nachkriegsgeschichte.
Hoffen wir, dass die Bevölkerung weiterhin wach bleibt und die Menschen einander helfen, wenn es zu einer Katastrophe kommt (was sie bei Hochwasser ja auch tun). Hoffen wir, dass die Sicherheitskräfte weiterhin so effektiv sind und besonnen handeln wie beim Amoklauf im Olympiazentrum. Hoffen wir, dass die Medien weder Amokläufer noch Terroristen oder gar Serienmörder als Idole hinstellen. Und hoffen wir, dass die Menschen insgesamt vernünftiger werden und das zu schätzen lernen, was unsere Zivilisation lebenswert macht: Vielseitigkeit, Lebensfreude, Kommunikation.
-Peter Ripota-

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Schwarze Löcher wurden von Karl Schwarzschild 1916 theoretisch aus den Formeln der Allgemeinen Relativitätstheorie von Albert Einstein abgeleitet. 1967 schuf John Archibald Wheeler den begriff "Schwarzes Loch" für diese Gebilde. Schwarze Löcher verschlucken alles für immer, Materie, Energie, Strahlung und Information. 1974 publizierte Stephen Hawking eine Hypothese, wonach Schwarze Löcher auch verdampfen können ("Hawking-Strahlung"), und in seinem Buch "Das Universum in der Nussschale" äußerte er die Annahme, dass Schwarze Löcher bei ihrem Ableben die gesammelte Information wieder ausspucken.

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