Notizen 140

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Was ist bloß mit den Österreichern los?

Gerade hat die Alpenrepublik noch die Kurve gekratzt und, mit denkbar knapper Mehrheit, einen neubraunen Bundespräsidenten verhindert. Das allerdings lag hauptsächlich an den Wählern der Hauptstadt Wien und an den Auslandsösterreichern, die (wie der Verfasser dieser Zeilen) durch Briefwahl Österreich vor einer neuerlichen internationalen Verurteilung bewahrten.

Bilder: Plakate zur Fremdenverkehrswerbung: heile Welt.

                        

 Der österreichische Bundespräsident hat genauso wenig zu sagen wie der deutsche. Er darf am Opernball dabei sein, ausländischen Staatsoberhäuptern die Hand schütteln, und Gesetze unterschreiben, auf deren Gestaltung er keinen Einfluss hat. Aber es gibt einen großen Unterschied zwischen Deutschland und Österreich: In Deutschland wird der Präsident von den Parteien ins Amt gemauschelt, in Österreich vom Volk gewählt. Und das Volk meint: Wen wir wählen, der soll's auch sein. Erstaunlich. Und so kam es zur ersten Affäre bezüglich eines Staatsoberhaupts: die Waldheim-Affäre. Denn der langjährige UNO-Generalsekretär musste sich, noch vor der Wahl, gegen Anschuldigungen von Kriegsverbrechen während seiner Zeit in der Nazi-Wehrmacht verteidigen. Keiner der Vorwürfe konnte erhärtet werden, aber ein unbeschriebenes Blatt konnte er als Offizier der Wehrmacht nicht gewesen sein. Jedenfalls bewirkten die Angriffe auf ihn das Übliche: Das Volk solidarisierte sich mit ihm, er wurde gewählt. Pikantes Detail am Rande: Während seiner UNO-Zeit hatte er die Bombardierung nordvietnamesischer Deiche durch die Amerikaner kritisiert, was sicher auch ein Grund der Polemik von Seiten der USA gegen ihn gewesen war.
Dabei wollten die Österreicher doch nur ihr Image bewahren, das sie sich nach dem Krieg mit ebensoviel Geschick wie Energie aufgebaut hatten. Sie entfernten von den Plakaten für ländliche Idyllen einfach die Hakenkreuze, schon war die Welt wieder in Ordnung. Sie erfanden das Neujahrskonzert und den Opernball, und seitdem weiß jeder, der die Alpenrepublik nicht mit dem Känguruland "down under" verwechselt: Der Österreicher als solcher tanzt Walzer, spielt Mozart (ein Deutscher), verehrt Beethoven (ein Deutscher), lebt als Tiroler gesund in den Bergen und besitzt saubere Kühe, saubere Pisten, saubere Dirndl und eine saubere Vergangenheit. Denn, wie es offiziell im Staatsvertrag steht: Österreich war das erste Land, das der Aggression des Österreichers Hitler zum Opfer fiel. Die Jubelrufe bei seinem Einmarsch - erzwungen oder durch eine Lügenpresse verbreitet. Die 99%ige Zustimmung zum Anschluss - wer will sich's schon mit den zukünftigen Machthabern verscherzen. So wie sich die Franzosen nach dem Krieg zu kollektiven Widerstandskämpfern hochstilisierten, so wurde aus den Alpenbewohnern ein Volk von Schifahrern und Musikern. Keiner hat das Recht, in der Vergangenheit herumzustochern; schuld an allem waren schließlich die Deutschen. Wir in Österreich haben nicht mal Deutsch gelernt - zu meiner Schulzeit hieß das Fach "Unterrichtssprache". Hätte auch Suaheli sein können.
Mein Schlüsselerlebnis bezüglich der Gesinnung meiner Heimatgenossen war die Borodajkewycz-Affäre. Taras Borodajkewycz war von 1955 bis 1971 Professor an der Wiener Hochschule für Welthandel, wo er ungestört nazistisches und antisemitisches Gedankengut verbreitete, begleitet vom zustimmenden Klatschen und Johlen seiner nicht minder braunen Zuhörerschaft. Ein sozialistischer Student hörte zufällig mit und brachte die Sache an die Öffentlichkeit. Es kam zu Demonstrationen, in deren Verlauf ein Rentner (Sozialist) von einem jungen Mann (Neonazi) erschlagen wurde. Herr B. dachte nicht an Rücktritt, wurde dann aber doch nach 16 Jahre unseligen Wirkens stillschweigend entsorgt. Und alle meine nichtjüdischen Bekannten und Freunde fanden das gar nicht gut (seine Abdankung; seine Sprüche schon). Schließlich hat er Recht, die Juden und so. Eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit hätte jetzt stattfinden können, war aber nix. Und wird auch nichts. Außer Protesten gegen das böse Ausland (Was geht denn euch das an!) wird sich wenig ändern.
Wie es weiter geht? Es bleibt die Hoffnung der Verstädterung. Denn Österreich ist, wie viele andere Länder auch, gespalten. Landbewohner und Finanzschwache haben Angst, etwas zu verlieren, oder dass ihnen "die anderen" etwas wegnehmen. Stadtbewohner und Gebildete sehen das Fremde als Herausforderung und wissen um die Möglichkeit der Integration. Erstere mögen Volkstribune, die einfache Lösungen versprechen und stets "den anderen" die Schuld an der eigenen Misere geben. Letztere wissen: Im Zeitalter der Globalisierung gibt es keine einfachen Lösungen, nur den Willen eines jeden, zusammen mit Gleichgesinnten die Probleme anzupacken und konstruktiv zu lösen.

-Peter Ripota-

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Schwarze Löcher wurden von Karl Schwarzschild 1916 theoretisch aus den Formeln der Allgemeinen Relativitätstheorie von Albert Einstein abgeleitet. 1967 schuf John Archibald Wheeler den begriff "Schwarzes Loch" für diese Gebilde. Schwarze Löcher verschlucken alles für immer, Materie, Energie, Strahlung und Information. 1974 publizierte Stephen Hawking eine Hypothese, wonach Schwarze Löcher auch verdampfen können ("Hawking-Strahlung"), und in seinem Buch "Das Universum in der Nussschale" äußerte er die Annahme, dass Schwarze Löcher bei ihrem Ableben die gesammelte Information wieder ausspucken.

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