Notizen 139

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Wie wirklich ist die Wirklichkeit?

Das fragte sich (und seine Leser) 1978 der österreichische Philosoph Paul Watzlawick in seinem amüsanten Buch mit dem gleichen Titel. Mit den Problemen der Wirklichkeit muss sich aber auch die Quantenphysik auseinander setzen, was zu reichlich grotesken Anschauungen geführt hat.

(Bild rechts:)  Wenn ich den Mond nicht sehe, dann existiert er auch nicht.

Während ich abends sinnierend auf der Terrasse sitze, beobachte ich das faszinierende Treiben der Glühwürmchen. Ich sehe sie ungefähr eine Sekunde lang, dann sind sie wieder für eine Sekunde verschwunden. Mit einiger Mühe kann ich die Bahn eines Würmchens während der Dunkelphase rekonstruieren und manchmal auch vorausberechnen.
Ich bin ein schlechter Quantenphysiker. Denn soeben habe ich Dinge angenommen, die zwar jeder gesunde, normale, vernünftige und mit der Wirklichkeit zurecht kommende Mensch auch akzeptiert, nicht aber ein Quantenphysiker: Ich nahm an, dass die Würmchen in der Zeit, da ich sie nicht sehe, tatsächlich weiter existieren. Und dass sie in dieser Zeit eine eindeutige Flugbahn besitzen. Wie kann ein Mensch nur so verquer denken!
Als echter Quantenphysiker muss ich vielmehr annehmen, dass
(a) die Würmchen keine Bahn besitzen, wenn ich sie nicht sehe, mehr noch dass sie
(b) in dieser Zeit gar vorhanden sind. Oder, wie es Albert Einstein mal ironisch-drastisch ausdrückte:
Wenn ich den Mond nicht sehe, dann existiert er auch nicht.
So jedenfalls sah Niels Bohr die Sache, der Ober-Guru und selbst ernannte Philosoph der Quantenphysik. Wie kamen er und die Anhänger seiner krausen Ideen (vor allem Werner Heisenberg) zu solchen Ansichten?
Nach Bohr und den Anhängern der "Kopenhagener Deutung" gibt es keine Realität, nur Beobachtungsdaten. Wenn man einen quantenphysikalischen Prozess oder ein solches System nicht beobachtet, existiert beides nicht. Die Welt entsteht erst durch Beobachtung (Messung) bzw. Bewusstwerdung derselben. Nach John von Neumann geschieht dies im Gehirn, was impliziert, dass bewusste Beobachter die Welt erschaffen. Wo es solche nicht gibt, existieren offenbar auch keine Elementarteilchen, mithin auch sonst nichts.
Besonders seltsam sind die Erklärung für den Doppelspaltversuch, in dem ein Teilchenstrom (z.B. Elektronen) einzeln durch zwei Spalte geschickt werden, sich dahinter aber wie eine Welle verhalten. Das geht so: Ein Teilchen - also ein Elektron - schaut nach, ob ein oder zwei Löcher vorhanden sind. Im zweiten Fall verwandelt es sich in eine Welle, interferiert mit sich selbst, verwandelt sich anschließend wieder in ein Teilchen und schwärzt die Fotoplatte. Bei nur einem Spalt entfällt diese Verwandlung. Clever, für so kleine Gebilde.
Die Verleugnung der Realität, damals, in den 1920iger Jahren offenbar Mode (Stichwort "Existentialismus", Nihilismus") veranlasste den unermüdlichen Kritiker dieser Pseudo-Philosophie, Albert Einstein, zu der konkreten Frage an Heisenberg: Die Bahnen der Elektronen im Atom, die wollen Sie ganz abschaffen, obwohl man doch die Bahnen der Elektronen in einer Nebelkammer unmittelbar sehen kann. Können Sie mir die Gründe für diese merkwürdigen Annahmen etwas genauer erklären? Woraufhin Heisenberg nur trotzig antwortete: Die Bahnen der Elektronen im Atom kann man nicht beobachten. Das erinnert an Galilei und die Gelehrten seiner Zeit: Der respektlose Gelehrte forderte diese Autoritäten auf, doch einen Blick durch sein Fernrohr zu werfen, um das zu sehen, was er behauptete. Die klugen Männer weigerten sich, denn in der Bibel stand nichts davon, und wer braucht dann noch ein Fernrohr?
Wenn also die hochgelehrten Begründer der Quantenphysik behaupten: Du brauchst nicht Ausschau zu halten nach dem, was es unserer Meinung nach nicht geben darf, dann halte dich von gesundem Menschenverstand, Vernunft, und Realität lieber fern. Ansonsten ist deine wissenschaftliche Karriere gefährdet.
Kann man die Erscheinungen im atomaren Bereich nicht auch anders, sprich: vernünftig, kausal und deterministisch beschreiben? Man kann! Mehr dazu in meinem neuen Buch:

 

-Peter Ripota-

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Schwarze Löcher wurden von Karl Schwarzschild 1916 theoretisch aus den Formeln der Allgemeinen Relativitätstheorie von Albert Einstein abgeleitet. 1967 schuf John Archibald Wheeler den begriff "Schwarzes Loch" für diese Gebilde. Schwarze Löcher verschlucken alles für immer, Materie, Energie, Strahlung und Information. 1974 publizierte Stephen Hawking eine Hypothese, wonach Schwarze Löcher auch verdampfen können ("Hawking-Strahlung"), und in seinem Buch "Das Universum in der Nussschale" äußerte er die Annahme, dass Schwarze Löcher bei ihrem Ableben die gesammelte Information wieder ausspucken.

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