Notizen 137

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Was ist noch mehr typisch deutsch?

Im ersten Teil haben wir uns mit typisch deutschen Tugenden beschäftigt, die wir den Neuankömmlingen gerne übermitteln würden (oder auch nicht). Heute ein paar zusätzliche Ideale.

Freiheit

Ist denn Freiheit eine Tugend oder nicht viel mehr eine politische Kategorie? In Deutschland kann der Bürger frei sein, sofern er/sie sich an die Gesetze hält und die Mitbürger nicht stört oder gar schädigt. So trivial das klingt, so sehr wir diese Freiheit gewohnt sin: Sie ist nicht selbstverständlich. Auch heute noch steckt in vielen Deutschen das Gefühl: Im politischen Handeln bin ich nicht frei, das machen die Politiker. Oder besser noch: Die Politiker sollen es richten, ich als Einzelbürger bin da nicht zuständig - eine Meinung, die der Bürger der USA beispielsweise nicht vertritt.
Das Problem vieler Neuankömmlinge liegt im repressiven und restriktiven politischen, sozialen und familiären System, dem sie entkommen sind. Jedenfalls äußerlich. Nun sind sie persönlich plötzlich frei, sie können ihr Leben selbst gestalten, wie die Sklaven in den USA nach ihrer Befreiung. Und was jetzt? Was macht derjenige, der nie gelernt hat, für sich Verantwortung zu übernehmen, die Konsequenzen der eigenen Handlungen zu bedenken, mit Mut und Risikobereitschaft das eigene Leben zu gestalten? Viele sind überfordert, laufen zu einer Autoritätsperson (Vater, Onkel, Pate, Geistlicher) und fragen nach, was sie tun sollen. Das wird ihnen (und uns) in manchen Fällen zum Verhängnis, denn damit geben sie ihre Freiheit, ihre Verantwortung und zum Teil auch ihre Würde an der Garderobe des Ratgebers ab. Mit teils fatalen Resultaten. Aber wie lernt man Freiheit?

Toleranz 

Ein heikler Begriff, wenn er absolut genommen wird. Denn wer gegenüber Fanatikern tolerant bleibt, gibt ein schlechtes Vorbild ab. Aber erst einmal ist der Ausspruch Voltaires gemeint, auf den mich einer meiner syrischen Bekannten hingewiesen hat: Ich bin nicht Ihrer Meinung, Monsieur, aber ich werde mein Leben hergeben, damit Sie Ihre Meinung äußern dürfen. Gilt das auch für Verleumdungen im Internet? Für Beschimpfungen und Verunglimpfungen, bei denen die Kanzlerin mit Hitlerbart oder bereit stehendem Galgen gezeigt wird? Gilt unsere Toleranz auch für religiöse Praktiken, die dem Grundgesetz und unseren Werten eklatant widersprechen? (siehe meine Beitrag "Welche Auswirkungen hat das Beschneidungsgesetz?"). Gilt dies auch gegenüber all den Praktiken, die wir verabscheuen?
Das Positive an dem Begriff (und darum geht es): Wir lernen gerade, alternative Lebensentwürfe zu akzeptieren und zu respektieren, vorausgesetzt, sie widersprechen nicht unseren Vorstellungen von der Würde des Menschen und seiner Unverletzbarkeit. Also akzeptieren wir auch Menschen, die mit der linken Hand schreiben (früher wurden sie umerzogen), und Menschen, die Menschen des gleichen Geschlechts lieben (früher wurden sie eingesperrt oder umerzogen). Damit haben immer noch viele Probleme, und wir dürfen nicht vergessen: Noch unsere Eltern dachten in dieser Hinsicht ganz anders. Also müssen auch wir mit Angehörigen anderer Kulturen Geduld haben und ihnen vorleben, was wir meinen. Reine Theorie hilft da ohnedies nichts.

Respekt

Wenn es keinen Respekt vor offiziellen Organen oder helfenden Menschen gibt, dann steht es schlecht um die öffentliche Ordnung. In dieser Hinsicht herrscht entschiedener Lernbedarf - bei den Deutschen. So gibt es für Rettungsfahrzeuge und Polizei bei Verkehrsunfällen auf der Autobahn immer wieder Probleme. Sie werden nicht durchgelassen, Menschen und Fahrer bleiben stehen, um zu gaffen, Helfer werden behindert, ihre Anweisungen oder Bitten verlacht. Also, liebe Deutsche: Lernt Respekt vor denen, die euch Gutes tun, und verlangt ihn erst danach von den Flüchtlingen!
Doch was hier angesprochen wird, ist die Frauenverachtung mancher Männer. So soll es welche geben, die sich weigern, einer Frau die Hand zu geben. Und vor kurzem machte ein Fall Furore, wo ein Flugpassagier das Personal aufforderte, eine neben ihm sitzende Frau zu entfernen, denn die verletze die Reinheit seines Wesens. Es handelte sich bei dieser Kreatur (der Ausdruck "Mann" wäre eine Beleidung für alle echten Männer) nicht um einen Flüchtling, sondern um einen angesehen Geistlichen! Solche Fälle werden immer wieder vorkommen, und unser christliches Abendland gab in dieser Hinsicht (Frauenverachtung) fast immer ein schlechtes Vorbild ab. Doch jetzt ist die Sache gegessen, und es hilft nur eines: gegen solche Verhaltensweisen Einspruch erheben, und zwar lautstark, öffentlich und sofort. Beschämtes oder pseudo-tolerantes Schweigen hilft hier gar nichts. Und da sind wir gefragt, die Einheimischen, nicht die anderen.

-Peter Ripota-

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Schwarze Löcher wurden von Karl Schwarzschild 1916 theoretisch aus den Formeln der Allgemeinen Relativitätstheorie von Albert Einstein abgeleitet. 1967 schuf John Archibald Wheeler den begriff "Schwarzes Loch" für diese Gebilde. Schwarze Löcher verschlucken alles für immer, Materie, Energie, Strahlung und Information. 1974 publizierte Stephen Hawking eine Hypothese, wonach Schwarze Löcher auch verdampfen können ("Hawking-Strahlung"), und in seinem Buch "Das Universum in der Nussschale" äußerte er die Annahme, dass Schwarze Löcher bei ihrem Ableben die gesammelte Information wieder ausspucken.

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