Notizen 122

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Was Flüchtlinge von uns lernen sollen

Es heißt immer wieder, Zuzügler aus fernen Ländern sollen unsere Wertvorstellungen, Ideale und Verhaltensweisen akzeptieren und sich ihnen anpassen. Was aber sind diese Werte? Und wie sollen sie diese erlernen?  Den ganzen Beitrag finden Sie hier.

Warum sind Menschen unpünktlich?

In einer Talkshow verkündeten bekannte linke Denker zum Thema "Integration": Nicht die Flüchtlinge müssen sich unseren Wertvorstellungen anpassen, wir müssen ihre Werte annehmen. Unser Sonntagsprediger hat sich das zu Herzen genommen und fängt heute mit einer typisch deutschen Tugend an, die wir offensichtlich verlernen sollen: Pünktlichkeit.

Der Soziologe Robert Levine hat untersucht, wie verschiedene Kulturen mit ihrer Zeit umgehen, und er hat seine Erkenntnisse unter anderem in dem Buch "Eine Landkarte der Zeit" zusammengefasst. Ein paar Ergebnisse: Am hektischsten leben Amerikaner und Japaner - sie finden kaum Zeit für Vergnügen, hetzen Karriere und Freizeit hinterher und können das Leben nicht richtig genießen. Am anderen Ende der Zeitverwertungsskala liegen Brasilianer und Mexikaner. Durch ihre "mañana-Mentalität" (auf Deutsch: Morgen ist auch noch ein Tag) legt sich eine lähmende Leere über das gesamte Leben. Die Europäer schneiden am besten ab: tüchtig im Beruf, dennoch Genießer in der Freizeit. Immerhin: Die schöne Europa ließ sich bekanntlich von einem Stier über Land und Meer tragen - nicht unbedingt das schnellste Fortbewegungsmittel!

Unpünktlichkeit = Arroganz?

In einem Internet-Beitrag des Unternehmensberaters Jochen Mai mit dem Titel "Unpünktlichkeit ist gelebte Arroganz" mein der Autor: "Andere Menschen warten zu lassen, ist nichts weiter als pure Machtdemonstration und Vergeudung von Lebens- und Arbeitszeit. Ein Chef, der seine Mitarbeiter untätig warten lässt, um seinen Status zu demonstrieren und sich mächtig und bedeutend zu fühlen, handelt töricht. Denn er bezahlt diese Lohnminuten schließlich auch. Ein teurer und unwirtschaftlicher Luxus!"

Levine bestätigt das durch eine bezeichnende Anekdote. Er war Gastprofessor an einer brasilianischen Universität und musste sich erst an das lange Warten bei Verabredungen, an die "Unpünktlichkeit" seiner Kollegen, gewöhnen. Wenn sein vorgesetzter Professor ihn rief, musste er mindestens eine Stunde warten. Also dachte er bei einem weiteren Treffen dieser Art: Ich komme einfach eine halbe Stunde später als verabredet, dann brauche ich nur eine halbe Stunde zu warten. Er tat es und wurde sofort ins Zimmer des Herrn Professors gerufen, der ihn fürchterlich wütend anschnauzte, wie er es wagen könne, zu spät zu kommen!

Wer Macht hat, lässt den anderen warten

Es dauerte, bis Levine zu der Erkenntnis kam, die Jochen Mai so schön ausgedrückt hat: Jemanden warten zu lassen ist ein Zeichen der Überlegenheit, die es einem erlaubt, den anderen zu demütigen. Denn die Hauptaufgabe der meisten Menschen scheint darin zu bestehen, andere zu demütigen, möglichst öffentlich.

Noch schlimmer erging es dem ägyptischen Physik-Nobelpreisträger Ahmed Zewail. Die Kairoer Universität hatte ihn zu einem Gastvortrag eingeladen. Um 10 Uhr sollte die Vorlesung beginnen, um 11 war noch niemand da, um 12 Uhr auch nicht. Zewails Betreuer sagte ihm dann, ganz ernsthaft: Die kommen pünktlich um zehn Uhr, aber wahrscheinlich erst morgen. Schöner Respekt vor der Berühmtheit aus dem eigenen Land!

Positive Unpünktlichkeit: Tango!

Doch Unpünktlichkeit kann sich auch positiv auswirken, zumindest in der Kunst. Die Synkope in der Musik (besonders im Jazz) bedeutet: Ich bin frei und muss mich nicht an die Regeln der anderen halten. Ich fange an, wann ich will, nicht, wann die anderen mir das vorschreiben. Deswegen ist der Tango argentino für Deutsche so schwer zu tanzen: Die Porteños, die Einwohner von Buenos Aires, bestehen auf ihrer persönlichen Freiheit. Und die liegt unter anderem darin, anzufangen, wann ich es für richtig halte. Schließlich tanze ich keinen deutschen Militärmarsch, sondern einen argentinischen Tango. Diese Unpünktlichkeit ist kreativ, nicht arrogant.

 

Der Artikel (mit Bildern und Kommentaren) erschien hier.

 -Peter Ripota-

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Schwarze Löcher wurden von Karl Schwarzschild 1916 theoretisch aus den Formeln der Allgemeinen Relativitätstheorie von Albert Einstein abgeleitet. 1967 schuf John Archibald Wheeler den begriff "Schwarzes Loch" für diese Gebilde. Schwarze Löcher verschlucken alles für immer, Materie, Energie, Strahlung und Information. 1974 publizierte Stephen Hawking eine Hypothese, wonach Schwarze Löcher auch verdampfen können ("Hawking-Strahlung"), und in seinem Buch "Das Universum in der Nussschale" äußerte er die Annahme, dass Schwarze Löcher bei ihrem Ableben die gesammelte Information wieder ausspucken.

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