Notizen 115

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Hat der Mensch einen freien Willen?

Die Frage nach der Willensfreiheit hat viele Dimensionen, darunter eine moralische, eine theologische und eine wissenschaftliche. Fangen wir mit der wissenschaftlichen an. Den vollständigen Artikel lesen Sie hier.

 

Ein schrecklicher Jurist

So nannte der Schriftsteller Rolf Hochhuth Ministerpräsident Hans Filbinger, als bekannt wurde, dass dieser in den letzten Kriegstagen einfache Soldaten wegen "Wehrkraftzersetzung" hinrichten ließ. Doch auch weiter zurück in der Geschichte gibt es einen solchen Juristen, dem niemand eine derartige Entscheidung zugetraut hätte.

Das Leben von Dienstmägden war die meiste Zeit ein Leben voll Arbeit, Demütigungen, Willkür und der Gefahr, unter dem Schwert des Henkers zu enden. Denn Dienstmägde waren für den Hausherrn ganz selbstverständlich Freiwild. Sollten indes die wiederholten Vergewaltigungen, zu denen sich der Hausherr berechtigt fühlte, zu Folgen führen, die dem Hausherrn unangenehm waren, so wurde die Sache einfach gelöst: Die Magd wurde entlassen, sie bekam ein uneheliches Kind, das oft infolge Unterernährung, Stress, mangelnder Hygiene oder Vernachlässigung starb. Die unglückliche ungewollte Mutter wurde daraufhin des Kindesmords angeklagt und ganz offiziell hingerichtet.

So erging es auch der Dienstmagd Catharina Höhn. Am 11. April 1783 brachte die junge Frau allein in ihrer Kammer ein Kind zur Welt und tötete es ihrer Aussage zufolge mit mehreren Messerstichen in den Hals. Schließlich verscharrte sie das tote Kind im Bettstroh und blieb selbst dort liegen bis zu ihrer Entdeckung am selben Tag. In der Untersuchungshaft im Weimarer Gefängnis gestand sie die Tat. Obwohl ihr Verteidiger das Geständnis anzweifelte, da er davon ausging, dass Johanna Catharina Höhn wegen Verwirrung und Geistestrübung zur Tatzeit nicht wissen konnte, ob das Kind überhaupt gelebt habe, wurde die Angeklagte zum Tode durch Hinrichtung mit dem Schwert verurteilt.

Aber das Bewusstsein für ein gewisses Unrecht an dieser Art der Problembeseitigung war kurz vor der französischen Revolution gewachsen. Der damals regierende Herzog Carl August hatte schon zwei Jahre zuvor ein solches Todesurteil in eine lebenslange Haft umgewandelt. Das Urteil an der unglücklichen Magd fällte ein Gremium aus vier angesehenen Männern. Zwei waren für die Todesstrafe, einer dagegen. Den Ausschlag gab der vierte Mann, der vehement für ihre Tötung plädierte. Auch eine erneute Befragung durch den Herzog ließ ihn nicht gnädig stimmen. Der Name dieses "schrecklichen Juristen": Johann Wolfgang von Goethe.

Nach Rüdiger Scholz, der den Fall genauer untersuchte (und sich von den üblichen Verdrängungen und Lobhudeleien nicht beeinflussen ließ), hatte der Fall weitreichende Folgen: "Da weder Todesstrafe noch Folter abgeschafft wurde, wurde Weimar im Vergleich zu anderen Staaten zu einem inhumanen, rückständigen Staat, ganz im Gegensatz zu dem Staatsbild, das der Herzog bei jeder Gelegenheit in der Öffentlichkeit vertrat."

Goethes Handlungen sind umso unverständlicher, als er während seines Jura-Studiums 1772 einen ähnlichen Fall mit großer Aufmerksamkeit verfolgte. Die Magd Susanna Margaretha Brandt wurde von einem Fahrenden Gesellen durch eine Art k.o.-Tropfen gefügig gemacht und geschwängert. Sie hat später ihr Kind (das durch eine Sturzgeburt vermutlich schon tot war) in Panik erwürgt. Das Gericht verurteilte sie dann "zur wohlverdienten Strafe und anderen zum abscheulichen Exempel" zum Tod. Goethe verarbeitete das Geschehen in seinem "Faust". Aber selbst hier setzt er dem Todesurteil ein Denkmal. Denn Gretchen entscheidet sich im Kerker, nicht zu fliehen, sondern das Todesurteil anzunehmen.

Warum der Dichter, Feingeist und Humanist, als er selbst etwas Gutes hätte tun können, sich als grausamer Jurist entpuppte - trotz anderer Auffassung seines Herzogs - bleibt für ewig sein Geheimnis. In seiner Autobiographie kommt davon nichts vor. Sein unpersönlicher Kommentar: "Bald setzte ein entdecktes großes Verbrechen, dessen Untersuchung und Bestrafung die Stadt auf viele Wochen in Unruhe." Und eine Art Entschuldigung gibt es auch: "Ich habe mein politisches und gesellschaftliches Leben ganz von meinem moralischen und poetischen getrennt." Goethe - eine gespaltene Persönlichkeit? Wie sagt er doch von sich selbst: ""Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust"!

Dieser Artikel (mit Abbildungen und Kommentaren) erschien hier.

 -Peter Ripota-
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Schwarze Löcher wurden von Karl Schwarzschild 1916 theoretisch aus den Formeln der Allgemeinen Relativitätstheorie von Albert Einstein abgeleitet. 1967 schuf John Archibald Wheeler den begriff "Schwarzes Loch" für diese Gebilde. Schwarze Löcher verschlucken alles für immer, Materie, Energie, Strahlung und Information. 1974 publizierte Stephen Hawking eine Hypothese, wonach Schwarze Löcher auch verdampfen können ("Hawking-Strahlung"), und in seinem Buch "Das Universum in der Nussschale" äußerte er die Annahme, dass Schwarze Löcher bei ihrem Ableben die gesammelte Information wieder ausspucken.

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