Notizen 103

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Mein neues Wort zum Sonntag:

Sterbehilfe ja oder nein?

Der deutsche Bundestag diskutiert gerade ein Gesetz, das die aktive Sterbehilfe straffrei stellen soll. Die Meinungen zu diesem Thema sind zwischen den Parteien, aber auch innerhalb der Parteien und vor allem in der Bevölkerung sind sehr gespalten. Den vollständigen Artikel lesen Sie hier.

 

Neapel sehen - und sterben?

 Sie ist die schmutzigste, chaotischste und für Touristen gefährlichste Stadt Italiens. Sie wird beherrscht von einer bestens organisierten Verbrecherorganisation. Wer die Stadt überlebt, sollte froh sein. So heißt es zumindest. Mir stellt sich da die Frage: Wirklichkeit oder Vorurteil?

Meine erste Begegnung mit Neapel, dieser quirligen Stadt ist schon lange her. Damals auf meiner Reise gab es noch eine seltsame Währung namens "Lire", bei der man die Scheine nicht zählte sondern wog. Auf der Durchreise vom Flughafen zum Schiffshafen benutzte ich ein Taxi und gab dem Fahrer dann das Geldpaket, von dem ich annahm, ich hätte ihn richtig verstanden. Doch schon halb auf der Treppe zum Schiff nach Capri rannte mir der Fahrer wild fuchtelnd hinterher. O Gott, dachte ich, da hab ich mich wohl beim Zählen geirrt. Hatte ich auch: Ich hatte zuviel gezahlt, genauer gesagt: doppelt so viel, und der Taxifahrer brachte mir das zuviel gezahlte Honorar wieder zurück. So viel zu unseren Vorurteilen von den diebischen Italienern.

Beim zweiten Mal kamen wir mit Koffern zurück aus Capri und wollten ein Taxi zum Hotel am anderen Ende der Stadt nehmen. Es fuhr aber keins, denn Neapel hatte irgendeine regionale Fußballliga gewonnen, und alles war aus dem Häuschen. Motorroller rasten über die Gehsteige und hupten ununterbrochen, Autos rasten über den "Corso Umberto Uno" (die Hauptstraße zwischen Hafen und Bahnhof) und hupten ununterbrochen. Menschen standen überall herum und hupten ununterbrochen. Mit den Koffern war es mühsam, die Abgase der Vehikel legten eine baldige Kohlenmonoxidvergiftung nahe, doch die Menschen waren fröhlich und ausgelassen. Beim dritten Mal ...

Aber Sie wollen ja wissen, ob Neapel sicher ist. Ich werde mich hüten, dies zu behaupten, denn dann wird Ihnen Ihre Brieftasche gestohlen (höchstwahrscheinlich von einem deutschen Touristen), und ich krieg die Schuld. Doch ein Kenner der dortigen Lage hat mir das einmal so erklärt: Neapel wird von einer Organisation regiert, die wir euphemistisch "Die Firma" nennen wollen. Die Firma ist in erster Linie am Geldverdienen interessiert, und das Geld holt sie sich mit der ihr eigenen Überredungskunst von den Einheimischen. Die wiederum holen sich das von den Touristen, was die Firma weiß. So ist sie daran interessiert, dass diese immer wieder kommen und dabei unbehelligt bleiben. Wer's glaubt, ist selber schuld, aber ich fühle mich in Neapel meistens sicherer als in Berlin.

Was gibt es in Neapel zu sehen?

Wenn Sie schon mal hier gelandet sind, aus welchen Gründen auch immer, was sollen Sie sich dann anschauen? Auf keinen Fall eine große Straße, auf keinen Fall eine der üblichen Sehenswürdigkeiten aus dem Baedeker, auf keinen Fall eine offizielle Führung machen. Schlendern Sie durch eine Straße vom Hauptbahnhof zum italienischen Hafen, oder begehen Sie eine der extrem schmalen, extrem belebten Gassen am Castel Nuovo entlang.

Öffnen Sie die Augen, vergessen Sie deutsche Reinlichkeits-Standards, und Sie werden staunen, was Sie dort zu sehen bekommen:

- alte Herren, bestens gekleidet, die sich, auf einem Stein sitzend, gemütlich unterhalten, während um sie herum der Verkehr braust;

- ein junges Mädchen ohne sichtbaren Kommunikationspartner, auf einer tiefen Stufe eines ein Meter breiten Gehsteigs beinahe liegend, die Beine ausgestreckt, eifrig telefonierend;

- einen jungen Mann, der sich, mit Lockenwicklern und in ein Plastikkostüm gekleidet, im ersten Stock aus dem Fenster lehnt und sich in aller Pracht zeigt;

- eine alte Frau, die ihre Wäsche aufhängt, obwohl Autos vorbeibrausen und die Motorflitzer die Tücher einfach mitnehmen könnten;

- schrecklichen Schmutz überall, aber Madonnenstatuen in den Wänden;

- Geschäfte, die ihr frisches Obst auf der Straße ausstellen, obwohl dort kaum Platz für Motorroller und erst recht keiner für Autos ist;

- elegante Damen mit ebenso elegant gekleideten Kindern, die genau wissen, wie sie aussehen und sich, trotz Schmutz und Hektik, stolz und gelassen präsentieren;

und vieles mehr.

Wollen Sie aber wirklich etwas erleben, dann nehmen Sie sich ein Taxi irgendwohin. Genießen Sie erst mal den Streit zwischen den Taxifahrern, wer für Sie zuständig ist, und wie dieser Streit mit ebenso großer Eloquenz wie Eleganz geschlichtet wird. Der Taxifahrer, der weder deutsch noch englisch noch (vermutlich) italienisch spricht, sondern nur den Dialekt seiner geliebten Heimat, wird Ihnen amüsante Anekdoten aus seiner Kindheit sowie über seine Heimatstadt erzählten, in seinem neapolitanischen Dialekt, und er wird Sie die ganze Zeit anblicken, um Ihnen zu zeigen, wie wichtig Sie für ihn sind, während die Motorflitzer ihm entgegenbrausen und im letzten Augenblick ausweichen.

Und wenn Ihnen dann das alles zu viel wird, nehmen Sie einfach eine Fähre nach Sorrent, Positano oder Amalfi, wo Sie gegen eine geringe Gebühr am Strand liegen und das mondäne Treiben der Reichen beobachten können. Oder Sie fahren mit der "Circumvesuviana" bis Pompeji und von dort mit einem Bus zum Gipfel des Vesuvs. Ein Blick in den rauchenden Abgrund lohnt sich. Was ich sagen will: Schauen Sie sich erst die Menschen an, die machen eine Großstadt aus, nicht irgendwelche alten Häuer oder antiken Trümmer!

Dieser Artikel (mit Abbildungen und Kommentaren) erschien hier.

 -Peter Ripota-
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Wenn Sie meine früheren Notizen kennen lernen oder nochmals lesen wollen, Sie finden diese im Archiv

Schwarze Löcher wurden von Karl Schwarzschild 1916 theoretisch aus den Formeln der Allgemeinen Relativitätstheorie von Albert Einstein abgeleitet. 1967 schuf John Archibald Wheeler den begriff "Schwarzes Loch" für diese Gebilde. Schwarze Löcher verschlucken alles für immer, Materie, Energie, Strahlung und Information. 1974 publizierte Stephen Hawking eine Hypothese, wonach Schwarze Löcher auch verdampfen können ("Hawking-Strahlung"), und in seinem Buch "Das Universum in der Nussschale" äußerte er die Annahme, dass Schwarze Löcher bei ihrem Ableben die gesammelte Information wieder ausspucken.

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