Notizen 094

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Mein neues Wort zum Sonntag:

Die ältesten Städte der Welt

Wann ist eine Siedlung eine Stadt? Wenn sie groß genug ist? Oder wenn ihr offiziell das Stadtrecht verliehen wurde? In Deutschland ist ersteres schwer zu datieren und letzteres reichlich willkürlich. Vor den Römern waren die Kelten da, und die hatten auch Städte, aber keine schriftlichen Aufzeichnungen. Den vollständigen Artikel lesen Sie hier.

 

Mit welchem Ihrer Vorbilder würden Sie gerne tauschen?

Hatten Sie nicht auch schon mal den Wunsch, Ihr Leben mit dem eines anderen zu tauschen? Aber mit wem? Und wären Sie damit zufrieden?

Als Jugendlicher wusste ich nicht so recht, was oder wer ich sein sollte oder wollte oder auch nur könnte. Da helfen Vorbilder, und die gab es zu Hauf. An erster Stelle stand natürlich der Straßenbahnfahrer, den ich bewunderte, weil er so gut abschätzen konnte, wann er den Hebel linksherum und wann rechtsherum zu drehen hatte. Aber tauschen wollte ich nicht mit ihm - er musste den ganzen Tag stehen, das fand ich ätzend.

Doch da gab es ja noch Peter Kraus. Der lebt immer noch, ist inzwischen 75 und sieht immer noch so aus wie mit 17, jedenfalls von der Ferne, oder mit Weichzeichner. Aber wie lässig, ja: wie "cool" der daher kam, seine Hüften bewegte (nicht obszön wie Elvis, eher elegant und jugendfrei), wie er immer entspannt und freundlich lächelte und jedem das Gefühl gab: Ich singe für dich, weil, ich hab dich lieb - das war Spitze. Ich wollte sein wie er, bis ich erkannte, dass es da noch einen anderen Österreicher gab, der mir noch mehr zusagte. Der konnte auch singen, aber eher mäßig, und die Hüften blieben bei ihm, wo sie hingehören. Doch seine Beine ... Sein Name: Frederik Austerlitz, besser bekannt als Fred Astaire. Sein Vater kam sogar aus meiner Heimatstadt Linz, und wie Fred die Schwerkraft scheinbar aufhob, das war unvergleichlich. In manchen seiner Filme tat er es dank einfacher Tricktechnik tatsächlich: Manchmal genügte eine Zeitlupenaufnahme, und sein schwebender Tanz wurde noch schwebender. Wenn ich mit dem tauschen könnte ...

Aber eines störte mich: Beide Männer waren so solide, was Frauen betrifft. Beide heirateten früh und blieben ihren Frauen lebenslang treu. Irgendwie langweilig. Da fand ich den Playboy-Gründer Hugh Hefner schon interessanter. Er hatte kluge Ideen und hasste Sport, wodurch ich die Seelenverwandtschaft mit ihm entdeckte. Jedenfalls, was die Einstellung zum Sport betrifft. Aber wie ihn dann die Frauen fertig machten, obwohl er sich für deren Emanzipation einsetzte, das war dann doch nicht so angenehm. Außerdem stellte ich mir vor, dass so ein Playboyleben, mit ständigen Poolpartys und Blondinencastings, irgendwie anstrengend und möglicherweise auf Dauer intellektuell nicht ganz so befriedigend wäre.

Also suchte ich neue Vorbilder und entdeckte sie in den Vertretern meiner so geliebten, aber für mich viel zu hohen Kunst der Abstraktion: Ich schwärmte für Mathematiker. Besonders deren zwei hatten es mir angetan. Da war der englische Mathematiker, Philosoph und Literatur-Nobelpreisträger Bertrand Russell. Nicht nur, dass er ein einzigartiges mathematisches Werk von pragmatischer Klarheit schuf ('Principia Mathematica'), er engagierte sich auch gegen Atomwaffen und kam mit 90 Jahren dafür noch eine Woche ins Gefängnis. Er war für mich tatsächlich eines meiner Vorbilder, aber wollte ich tatsächlich ins Gefängnis? Da gefiel mir der stille Gelehrte und Landsmann Kurt Gödel denn doch noch besser. Er hatte mit mathematischer Klarheit bewiesen, dass man gewisse Dinge nicht beweisen kann. Das berührte mich im Innersten meiner Seele. Und Gödel war sogar mit einer Tänzerin verheiratet. Naja, mit einem Gogo-Girl, die sich vor Publikum irgendwie bewegte. Doch mit seinem Leben wollte ich dann doch nicht tauschen, denn er litt unter Verfolgungsahn und glaubte, sein Essen wäre vergiftet, woran er dann auch starb, durch Nahrungsverweigerung, also durch Verhungern.

Bei einem Esoterik-Seminar zündete es endlich. Die Seminarleiterin fragte uns, was unser sehnlichster Wunsch sei, und wir sollten die ersten Gedanken akzeptieren. Spontan kam mir die meinem bescheidenen Charakter entsprechende Vorstellung: Ich möchte reich und berühmt sein. Na also. Hätte ich mich irgendwann in meinem Leben doch für Sport interessiert, speziell für Fußball, ich hätte mir bestimmt gewünscht, mit Uli Hoeneß tauschen zu können - ein Wunsch, der sich im nachhinein als eher kontraproduktiv herausgestellt hätte. Aber wer weiß das schon vorher.

Im Augenblick habe ich keine Tauschwünsche mehr. Eine jüdische Weisheit hat mir die Augen geöffnet: Unmittelbar vor seinem Tode sagte Rabbi Zusia: "In der Welt, die mir bevorsteht, wird man mich nicht fragen: Warum bist du nicht Moses gewesen? Man wird mich fragen: Warum bist du nicht Zusia gewesen?"  Darum bemühe ich mich immer noch. Vergebens zwar, doch spannend allemal.

Dieser Artikel (mit Abbildungen und Kommentaren) erschien hier.

 -Peter Ripota-
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Schwarze Löcher wurden von Karl Schwarzschild 1916 theoretisch aus den Formeln der Allgemeinen Relativitätstheorie von Albert Einstein abgeleitet. 1967 schuf John Archibald Wheeler den begriff "Schwarzes Loch" für diese Gebilde. Schwarze Löcher verschlucken alles für immer, Materie, Energie, Strahlung und Information. 1974 publizierte Stephen Hawking eine Hypothese, wonach Schwarze Löcher auch verdampfen können ("Hawking-Strahlung"), und in seinem Buch "Das Universum in der Nussschale" äußerte er die Annahme, dass Schwarze Löcher bei ihrem Ableben die gesammelte Information wieder ausspucken.

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