Notizen 082

Wenn der Rundbrief nicht richtig angezeigt wird, klicken Sie bitte hier.

Mein neues Wort zum Sonntag:

Namen sind Schall und Rauch?

Wie wichtig sind Namen? Sehr! Es macht einen Unterschied, ob Sie Kevin oder Adalbert heißen. Und ob Sie als Heimatort Uppenborn angeben oder Tuntenhausen. Den vollständigen Artikel lesen Sie hier.

 

Ein Lied geht um die Welt

Es ist der wohl in aller Welt bekannteste deutsche Schlager. Der Anfang geht so: Vor der Laterne, vor dem großen Tor … Die Geschichte der "Lili Marleen" indes ist voller Widersprüche.

1915 wurde der deutsche Schriftsteller und Gedichteschreiber Hans Leip an die russische Front versetzt. Zum Abschied schrieb er drei Strophen eines kleinen Gedichts, das er der Freundin eines Freundes (Lilly) und seiner Krankenschwester im Feldlazarett (Marlene) widmete. Daher der Titel. Leip kam zurück, das Gedicht erschien, leicht er weitert, in dem Sammelband "Die kleine Hafenorgel". Ein gewisser Rudolf Zink schrieb dazu eine Melodie, ein gewisser Norbert Schultze eine zweite. Die erste kann man sich heute kaum mehr anhören, die zweite gefiel einer zweitrangigen norddeutschen Sängerin namens Lale Andersen (die damals im Münchner Kabarett "Simpl" auftrat) gar nicht. Sie wurde aber vom Komponisten dazu gedrängt, seine Version zu singen. Diesem wiederum gefielen weder der Soldatenchor im Hintergrund ("Kastratenchor") noch die Marschmusik am Anfang. 1939 kam das Lied als B-Seite einer Schallplatte heraus. Die Platte floppte - 700 Exemplare wurden verkauft, das war's.

 

So wären die beiden besungenen Damen und ihre Interpretin sang- und klanglos untergegangen, hätte nicht ein sonderbarer Zufall sie wieder zum Leben erweckt. Der überaus starke Radiosender Belgrad suchte nämlich verzweifelt nach Schallplatten für seine Soldaten (der Sender erreichte über sechs Millionen Hörer!). Ein Mitarbeiter brachte vom Reichssender Wien Material, das aus politisch verdächtigen Platten und ausgewiesenen Flops bestanden haben soll, darunter das "Lied eines jungen Wachpostens". So begann der Siegeszug der Lili Marleen, denn das Lied, immer kurz vor 22 Uhr ausgestrahlt, erreichte die Herzen der Soldaten, die schließlich auch nur Menschen waren und ein wenig Wärme, Geborgenheit und Kitsch als Kompensation für ihr übles Leben brauchten. In der Hoch-Zeit des Erfolgs erhielt der Sender 12.000 Sendewünsche (brieflich; e-mails gab es noch nicht) - täglich.

Das gefiel dem Scharfmacher der Nation, Herrn Goebbels, natürlich gar nicht. Gefragt waren seiner Ansicht nach kernige Kampflieder, keine romantischen Reminiszenzen. Er verbot die Aussendung des Liedes - vergeblich. Der Soldatensender kümmerte sich nicht um den kleinen Klumpfuß, und sein oberster Feldherr mischte sich ausnahmsweise nicht ein. Doch die Zeit des Propagandafürsten kam, als Kontakte von Andersen mit Schweizer Juden bekannt wurden. Das Lied wurde verboten, Andersen bekam praktisch Hausarrest.

Aber nicht lange. Denn die BBC verbreitete das Gerücht, die Sängerin wäre im KZ gelandet, und das war schädlich für die Moral der Soldaten. Goebbels gab nach, die Soldaten durften weiterhin sentimentalen Gedanken nachhängen, Lale Andersen durfte das Lied auch live singen. Und es erreichte die "feindlichen" Armeen. So gab es eine englische Version, die, natürlicherweise, in den USA von einer Truppenbetreuerin namens Marlene Dietrich gesungen wurde. Die Dietrich indes machte aus dem seichten, sentimentalen Schlager ein tiefsinniges, emotional berührendes Chanson. Was die erstaunlichen Widersprüche des Lieds verdeckt. Denn erstens besteht es aus Abschiedsworten eines Mannes an seine Geliebte. Gesungen wird das Lied aber meistens von Frauen! (Eine deutsche männliche Version gibt es von Patrick Stern in seinen "Hafenliedern"). Und zweitens war es ausschließlich für deutsche Soldaten im Krieg gedacht, hatte aber im Ausland ungeheuren Erfolg.

Wir haben uns von dem Lied zu einem kleinen Tanz-Theaterstück anregen lassen. Wer das sehen will, hier gibt es filmische Ausschnitte (auf "Laternentango" klicken).

 Dieser Artikel (mit Abbildungen und Kommentaren) erschien hier.

 -Peter Ripota-
--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Wenn Sie meine früheren Notizen kennen lernen oder nochmals lesen wollen, Sie finden diese im Archiv

Schwarze Löcher wurden von Karl Schwarzschild 1916 theoretisch aus den Formeln der Allgemeinen Relativitätstheorie von Albert Einstein abgeleitet. 1967 schuf John Archibald Wheeler den begriff "Schwarzes Loch" für diese Gebilde. Schwarze Löcher verschlucken alles für immer, Materie, Energie, Strahlung und Information. 1974 publizierte Stephen Hawking eine Hypothese, wonach Schwarze Löcher auch verdampfen können ("Hawking-Strahlung"), und in seinem Buch "Das Universum in der Nussschale" äußerte er die Annahme, dass Schwarze Löcher bei ihrem Ableben die gesammelte Information wieder ausspucken.

---------------------------------------------------------------------

Wenn Sie den Rundbrief in Zukunft nicht mehr erhalten wollen, können Sie Ihre E-Mail-Adresse hier aus dem Verteiler löschen:

http://stereo.peter-ripota.de/newsletterabonn-de-3502.html

Impressum: Angaben gemäß § 5 TMG:
Peter Ripota, Zusserfeldstr. 21, 84174 Eching
Kontakt: Telefon: 08709/9432024, E-Mail: tango@peter-ripota.de
Umsatzsteuer-ID: 67 189 153 024
Verantwortlich für den Inhalt nach § 55 Abs. 2 RStV:
Peter Ripota, Zusserfeldstr. 21, 84174 Eching