Notizen 080

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Mein neues Wort zum Sonntag:

Herr Ober, an Verlängerten!

Das Getränk und die Orte, wo Kaffee ausgeschenkt wird, haben einen großen und überwiegend positiven Einfluss auf die Geschichte des Abendlands ausgeübt. Kaffee ist mehr als ein Getränk - er ist eine kulturelle Errungenschaft erster Güte! Den vollständigen Artikel lesen Sie hier.

 

Österreich hautnah: Wien, du Stadt meiner Träume?

Als ich Anfang der 1960iger Jahre nach Wien zum Studium kam, erlebte ich die Stadt wie einen Stein gewordenen Albtraum. Alles war farblos und düster. Die Häuserfassaden fristeten in schmutzigem Grau ein trostloses Leben, die Straßen wanden sich trübe durch eine offenbar schlafende Stadt, die Gesichter der Menschen wirkten leblos und verblasst, die Plätze verlassen und triste. Und überall begegnete man "fetten alten Weibern", kein schöner Ausdruck, aber er beschreibt meinen damaligen Eindruck.

Selbst das berühmte Café Hawelka wirkte nur muffig, seine Besitzer alt und grantig, und das galt auch für andere Cafés, deren Kellner ich nur als arrogant erlebte. Das Kabarett mit Bronner und Qualtinger war ausverkauft, sodass ich mein Idol (Helmut Qualtinger) dort nicht mehr live erleben konnte. Immerhin sah ich ihn dann in der Hauptrolle eines Nestroy-Stücks, gegen den Stich besetzt. Und auch Hans Moser konnte ich noch im Akademie-Theater genießen. Unvergessen die Szene, wo er sich in seiner abgehackten, nuscheligen Stimme ans Publikum wandte und gestand: Ich hab meinen Text vergessen, jetzt muss ich improvisieren. Das gab Applaus!

Dennoch war ich irgendwie froh, als ich nach Beendigung des Studiums in eine Stadt in den Niederlanden zog. Die war bevölkert von jungen, bunten, fröhlichen Menschen. Wenn sie zu fünft nebeneinander Fahrrad fuhren und die Autos hinter ihnen im Schritttempo mitmachen mussten, gab es kein Hupen, keinen Missklang, kein Geschimpfe. Schön war das. Viel schöner als in Wien.

Und doch. Jahre (oder waren es Jahrzehnte?) später kehrte ich als Tourist zurück in die Stadt meiner Albträume - und staunte. Wien war aufgewacht. Statt grau war nun alles bunt: die Häuser, die historischen Gebäude, die Menschen und ihre Kleider. Viele Ausländer bevölkerten die Stadt. Aber, um die Wahrheit zu sagen: Wien besteht eigentlich nur aus Ausländern, wie ja schon die typischen Wiener Namen verraten: Hawelka, Sedlacek, Vrkowicz. Die Menschen auf den Straßen oder in den U-Bahnen trugen Saris oder Burkas, kurze Leerhosen oder lange, maßgeschneiderte Beinkleider. Dank UNO-City und offensiver Vermarktung der schönen Wiener Vergangenheit - Stichwort: Wein, Weib und Gesang - hatte sich die Stadt von seiner bleiernen Müdigkeit nach dem Krieg erholt, Touristen aus aller Welt angezogen, neue Siedlungen aus dem Boden gestampft und mehr oder minder erfolgreich die Nazi-Vergangenheit verdrängt. Naja, eher minder, wie diverse Affären zeigten. Immerhin: Der Führer war vergessen, jetzt führte wieder Johann Strauß den Taktstock und verführte die Massen zum Tanz im Volksgarten oder anderswo.

Dank der Großzügigkeit eines alten Freundes können wir jederzeit beliebig lange in Wien logieren, und das tun wir seit einiger Zeit jedes Jahr. Und siehe da: Im Café Hawelka werden wir zuvorkommend wie Stammgäste behandelt. Im Café Mozart, fast nur von Touristen bevölkert, ist der Kellner auch um Mitternacht noch freundlich, charmant und zu einem kleinen Plausch bereit. Die Karlskirche bei Nacht ist ein fantastischer Anblick, denn sie spiegelt sich, voll beleuchtet, in einem kleinen See davor. Die Menschen sitzen entspannt und friedlich auf den Steinen - und natürlich können wir in der Stadt der Walzerseligkeit auch unserem Hobby frönen, dem Tango. Es ist (im Sommer) wunderbar, vor dem Schmetterlingshaus auf dem Granitboden zu tanzen (oder zuzuschauen, zuzuhören, nach Bekannten zu suchen) und anschließend im Café Mozart einen Maria-Theresia zu schlürfen (Geheimrezept, wird hier nicht verraten). Es ist (im Sommer) wunderbar, vor der Karlskirche auf eigens aufgelegtem Boden zu tanzen (oder das Spiegelbild der Kirche zu bewundern, oder ein Würstel mit frischem Kren zu essen). Es ist wunderbar … aber erleben Sie's doch selbst!

 

Dieser Artikel (mit Abbildungen und Kommentaren) erschien hier.

 -Peter Ripota-
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Schwarze Löcher wurden von Karl Schwarzschild 1916 theoretisch aus den Formeln der Allgemeinen Relativitätstheorie von Albert Einstein abgeleitet. 1967 schuf John Archibald Wheeler den begriff "Schwarzes Loch" für diese Gebilde. Schwarze Löcher verschlucken alles für immer, Materie, Energie, Strahlung und Information. 1974 publizierte Stephen Hawking eine Hypothese, wonach Schwarze Löcher auch verdampfen können ("Hawking-Strahlung"), und in seinem Buch "Das Universum in der Nussschale" äußerte er die Annahme, dass Schwarze Löcher bei ihrem Ableben die gesammelte Information wieder ausspucken.

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