Notizen 065

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Das Schwarze Loch lebt! 

Liebe Freunde seltsamer Ideen!
Auch wenn ich wieder in meinem Schwarzen Loch verschwunden bin, ich war dort nicht untätig. Jede Woche schrieb ich mein "Wort zum Sonntag" für das soziale Netzwerk Seniorbook. Aber da nicht jedermann dort Mitglied ist oder sein wird, werde ich jetzt mehr oder minder regelmäßig zwei Artikel verschicken:

(1) Das neueste "Wort zum Sonntag", aber nur den "Teaser" mit Verweis auf den vollständigen Artikel auf Seniorbook.

(2) Ein "Wort zum Sonntag" von vor längerer Zeit (vollständig), das aber immer noch aktuell ist.

Heute also: 

Mein Wort zum Sonntag: Die Katalanen - ein eigenes Volk?

Die Katalanen haben abgestimmt, zwar inoffiziell, aber deutlich: Sie wollen nicht bei Spanien bleiben. Was zeichnet sie aus? In erster Linie: Toleranz. Den vollständigen Artikel finden Sie hier.

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Ein Ausflug nach Barcelona

Wissen Sie, wo Barcelona liegt? In Spanien, werden Sie jetzt sagen. Und liegen damit nicht verkehrt. Zumindest formal stimmt Ihre Antwort. Die Einwohner dieser schönen, lebendigen, kunstvoll gestalteten Stadt denken allerdings anders: "Wir sind Katalanen", sagen sie. "Und mit denen in Madrid wollen wir nichts zu tun haben." Warum eigentlich?

In Europa schwelen einige seltsame Konflikte zwischen Völkern, Volksgruppen, Sprachangehörigen und Regionen. Unter anderem der zwischen den auf Unabhängigkeit bedachten Katalanen und ihren 'Unterdrückern' (so sehen die Katalanen das) in Madrid. Ein Volksbegehren zur Absonderung der Provinz wurde vorbereitet, von Madrid aber verboten. Dennoch wird - vermutlich - langfristig Spanien ein ähnliches Schicksal erleiden wie derzeit Großbritannien, wo sich gerade Schottland Stück für Stück vom Großen Reich löst und andere Regionen folgen werden. In mancher Hinsicht ähnelt Katalonien in seinem Streben nach Unabhängigkeit Wales in England, wo auch die (angebliche) Ursprache namens "Gälisch" als Beamten- und Unterrichtssprache eingeführt wurde.

So auch in Katalonien. Dort spricht man "Katalans", was sich in der Schreibe von Spanisch kaum unterscheidet, wohl aber in der Aussprache: Was im Spanischen hart und flach klingt, daraus machen die Katalanen eine Mischung aus Spanisch, Portugiesisch und Altfranzösisch. Es klingt weicher, die sch-Laute sind voll süffiger Spucke, und statt "con" (= mit) sagt der Katalonier "amb". Den Rest des Sprachunterrichts wollen wir uns sparen, außer den Hinweis darauf, dass ich hier am Klo kein "hombre" bin, sondern ein "Caballero"; die Gattin keine "mujer", sondern eine "Dona". Das ist doch schon was.

Für den unbedarften Besucher, sprich: Touristen ist die Sprachverwirrung nur von Vorteil. Spanisch sollte er nicht sprechen, dann ist er gleich ein Feind. Katalonisch braucht er nicht zu sprechen, das erwartet keiner von ihm. Und mit Englisch haben's die Südländer sowieso nicht. So mutiert jeder Kommunikationsversuch zu einer kreativen Herausforderung, und der sprachunkundige Ausländer wird hier eher mit Wohlwollen aufgenommen (im Gegensatz zu Frankreich oder Italien).

Wie unterscheidet man einen Spanier von einem Katalanen? Der Spanier bietet dir eine Flamencoshow an und verabschiedet sich mit einem zackigen "adíos". Der Katalonier spielt dir auf seiner 'Quetschn' ein paar melancholische Tangos vor und verabschiedet sich mit einem freundlichen Schweigen. Was einem Besucher als unsinnige Maßnahme erscheint (alle Aufschriften sind zweisprachig, der Schulunterricht dagegen nur in Katalans, Spanisch = "Kastilisch" = Fremdsprache), das hat einen düsteren Hintergrund. Schon vor 500 Jahren probierten die Katalanen den Aufstand gegen Madrid, vergeblich. In der Franco-Diktatur, so erzählte uns ein junger Katalane, wurde sein Großvater (aus einem katalanischen Bergdorf) von Francos Mörderbanden erschossen, nur weil er nicht spanisch konnte! Die Spanier machten damals mit den Katalanen das Gleiche wie die Türken mit den Kurden oder die Italiener mit den Südtirolern: Sie verboten ihre Sprache und versuchten, ihre Kultur auszurotten.

Dabei haben die Katalanen, was Kultur betrifft, einiges zu bieten. Joan Miró und Salvador Dalí sind die bekanntesten katalanischen Maler der Moderne. Der entscheidende Künstler für Barcelona indes war Antoni Gaudí (1852 - 1926), der geniale Schöpfer neugotischer Gotteshäuser. Seine berühmte Sagrada Familia am Place Gaudí, eine ebenso wuchtige wie filigrane Kirche im gotischen Bio-Stil, wurde 1882 begonnen und ist immer noch unvollendet. "Mein Auftraggeber hat Zeit" entgegnete Gaudí auf die Frage, wann denn seine Kirche fertig wäre. (Für die Anwohner von Wien, Abensberg, Uelzen und noch ein paar anderer Städte: Gaudí ist das katalanische Gegenstück zu Hundertwasser. Mehr oder weniger.)

Als Abkömmling einer alten Kupferschmid-Dynastie war Gaudí früh mit geometrischen Formen konfrontiert. In seine Architektur flossen nicht nur geometrisch-mathematische Konstruktionen (hauptsächlich Regelflächen, das sind Gebilde, die nur aus geraden Stangen erzeugt werden), sondern vor allem biomorphe Formen: Schneckenschalen, Kieselalgenmuster, Gemüsesprossen und Blütenformen. Seine Heiligenfiguren und Wasserspeier sind eingebettet in eine organische Natur aus Stein, die sie beschützt und ungemein lebendig macht. Allein dieses Kunstwerk ist eine Reise nach Barcelona wert.

Aber auch die Stadtbesichtigung ist bestens organisiert: Man kauft sich ein Ticket und kann damit den ganzen Tag auf drei unterschiedlichen Routen (rot, blau, grün) ganz Barcelona befahren (im Doppeldeckerbus, auf freiem Dach), jederzeit aussteigen, ein Kunstwerk von außen oder innen betrachten, ein paar Tapas genießen oder sich in einem Café gemütlich machen, in der ehemaligen Stierkampfarena (jetzt ein Einkaufszentrum) vom fünften Stock aus die Stadt betrachten, von einer Route auf die andere umsteigen und zuletzt, ab 21 Uhr, die Wasserspiele am "Magischen Brunnen" (font magica) beobachten, ein faszinierendes farbiges Schauspiel.

Doch Barcelona bietet viel mehr als Kunstwerke oder alte Kathedralen. Allein die Gelassenheit seiner Bewohner, der weite öffentliche Strand, die Palmengesäumten Alleen, die Parks mit ihren roten Blütenpflanzen und ihren grünen Papageien, die spontanen und religiösen Straßenfeste, das alles einfach zu erleben und zu genießen ist ein Traum. Und wem die Stadt zu teuer ist, der lässt sich in einem Vorort nieder. Züge fahren bis Mitternacht von und nach Villanova und an alle Orte dazwischen.

Dieser Artikel (mit Abbildungen und Kommentaren) erschien hier.

 -Peter Ripota-
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Wenn Sie meine früheren Notizen kennen lernen oder nochmals lesen wollen, Sie finden diese im Archiv

Schwarze Löcher wurden von Karl Schwarzschild 1916 theoretisch aus den Formeln der Allgemeinen Relativitätstheorie von Albert Einstein abgeleitet. 1967 schuf John Archibald Wheeler den begriff "Schwarzes Loch" für diese Gebilde. Schwarze Löcher verschlucken alles für immer, Materie, Energie, Strahlung und Information. 1974 publizierte Stephen Hawking eine Hypothese, wonach Schwarze Löcher auch verdampfen können ("Hawking-Strahlung"), und in seinem Buch "Das Universum in der Nussschale" äußerte er die Annahme, dass Schwarze Löcher bei ihrem Ableben die gesammelte Information wieder ausspucken.

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