Notizen 063

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Das Schwarze Loch lebt! 

Liebe Freunde seltsamer Ideen!
Auch wenn ich wieder in meinem Schwarzen Loch verschwunden bin, ich war dort nicht untätig. Jede Woche schrieb ich mein "Wort zum Sonntag" für das soziale Netzwerk Seniorbook. Aber da nicht jedermann dort Mitglied ist oder sein wird, werde ich jetzt mehr oder minder regelmäßig zwei Artikel verschicken:

(1) Das neueste "Wort zum Sonntag", aber nur den "Teaser" mit Verweis auf den vollständigen Artikel auf Seniorbook.

(2) Ein "Wort zum Sonntag" von vor längerer Zeit (vollständig), das aber immer noch aktuell ist.

Heute also: 

Mein Wort zum Sonntag: Rotkäppchen und der böse Jäger

Grimms Märchen kennen wir alle aus unserer Kindheit. Sie sind ein bisschen moralisierend und veraltet - hier eine moderne Version von "Rotkäppchen". Den vollständigen Artikel finden Sie hier.

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Mein Wort zum Sonntag: Grimmige Märchen

Die "Kinder- und Hausmärchen" der Brüder Grimm, vor fast genau 200 Jahren zum ersten Mal erschienen, gelten als Inbegriff deutscher Literatur und als freundliche Kinderlektüre. Aber sind sie das auch?

Würden sich die Plagiatsjäger des Internets mit den Grimmschen Märchen beschäftigen, sie hätten reiche Beute. Denn die Brüder Grimm haben andere Märchensammlungen hemmungslos ausgeschlachtet. Besonders die 1697 erschienen Märchen des Franzosen Charles Perrault dienten als Vorlage. Zudem war die Informantin der beiden Literaten keine ungebildete hessische Bäuerin, sondern eine gebildete Hugenottin, die mit den französischen Vorlagen durchaus vertraut war. Doch das nur nebenbei.

Jedenfalls haben die Brüder Grimm, dem damaligen Zeitgeist folgend, die zum Teil fürchterlich grausamen Märchen auf die Biedermeier-Moral zurechtgestutzt, von allen "Sex- and Crime"-Elementen befreit und später dann auch noch kindgerecht aufbereitet, was heißt, dass sie ihre kleinbürgerlich-staatstragende Moral in die Märchen einfließen ließen. Das bedeutet: Brave Mädchen kommen in den Himmel, und das deutsche "brav" (am ehesten mit der Bedeutung: gehorsam) hat mit dem englischen "brave" (mutig) nichts zu tun!

Die Brüder Grimm haben uns ein paar wunderbare und herzerwärmende Geschichten überliefert. Ich denke da an "Aschenbrödel", "Der gestiefelte Kater" oder die "Bremer Stadtmusikanten". Doch andere ihrer Märchen haben einen eher düsteren Hintergrund. Hier drei Beispiele.

Im "Schneewittchen" wird das idyllische Leben der Zwerge im Wald geschildert. Mit der Wirklichkeit hat das nichts zu tun, denn nach Auffassung mancher Historiker waren die Zwerge Kindersklaven, die in den Bergwerken schuften mussten und infolge von Licht- und Nahrungsmangel früh starben. Wie überhaupt die damals übliche Kinderarbeit heutzutage vergessen ist. So mussten etwa in England Kinder durch die komplizierten Schornsteinlabyrinthe kriechen, wo sie oft steckenblieben, um dann elend zu ersticken oder zu verdursten.

"Hänsel und Gretel", ein besonders typisches Märchen, beginnt mit einer Situation, die wohl für das Mittelalter typisch war: Die Familie war am Verhungern und setzte deswegen ihre Kinder aus. Initiatorin war nicht die böse Stiefmutter, sondern (wie in der ersten Fassung auch korrekt beschrieben) die leibliche Mutter. Der in manchen Märchen beschriebene Kannibalismus könnte eine Entsprechung in der Wirklichkeit haben: Vielleicht wurden die eigenen Kinder, nachdem sie verhungert oder von wilden Tieren totgebissen waren, von den eigenen Eltern verzehrt!

Wirklich schlimm an diesem Märchen aber ist die Perpetuierung des Klischees von der bösen Hexe als alter Frau, die nichts anderes im Sinn hat, als freilaufende Kinder zu verzehren. Die Zeit der Hexenprozesse lag noch nicht so weit zurück; die letzte Hexe war 19 Jahre vor Erscheinen der Märchensammlung hingerichtet worden! Aber, so der Einwand, wer soll denn die Kinder sonst fressen? Na, derjenige, der das immer tut, nämlich ein Menschenfresser oder "Oger". So jedenfalls geschieht es im französischen Original, wo keine Hexen vorkommen. Die Verbrennungsszene ist überdies so detailreich und anschaulich geschildert, dass die Polen nach dem Zweiten Weltkrieg die Grimmschen Märchen vorübergehend verboten, weil gerade "Hänsel und Gretel" zu sehr an die Krematorien der Nazis in den Konzentrationslagern erinnerte.

"Rotkäppchen und der Wolf" ist das einzige Märchen, in dem sogar bei den Grimm-Brüdern ein Anhauch von Erotik zu spüren ist. Im Original (wiederum bei Perrault) sieht das ganz anders aus: Da legt sich das kleine Mädchen nackt zur Oma ins Bett, um dann zu erkennen, dass die Gestalt neben ihr, ebenfalls nackt, gar nicht die Oma ist. Woraufhin der Wolf das kleine Mädchen verschlingt, und das war's. Perrault hat diese Märchen ausdrücklich als Warnung an kleine Mädchen geschrieben, sich nicht Fremden anzuvertrauen, weil sie sonst "verschlungen" (missbraucht) werden könnten - eine Warnung, die auch 300 Jahre später immer noch aktuell ist.

Kommen wir zum letzten und absolut schrecklichsten Märchen, dem vom "Mädchen ohne Hände". Bei den Brüdern Grimm ist der Teufel dran schuld, dass der Vater seiner eigenen Tochter die Hände abhackt. Im Original tut er es freiwillig, denn er möchte es "heiraten" (sprich: vergewaltigen), sie aber wehrt sich. Daraufhin hackt er ihr Hände und Brüste ab, in anderen Versionen schneidet er ihr auch noch die Zunge weg, dann die Hand und den Arm, und anschließend jagt er sie in einem, weißen Hemd fort.

Keine schöne Zeit damals. Die Märchen spiegeln nur wider, wie es wirklich war. Gottseidank ist das alles längst vorbei. Naja, schön wär's. Mariatu Kamara aus Sierra Leone hat eine Autobiographie geschrieben mit dem Titel: "Das Mädchen ohne Hände". Denn dort war es üblich, dass die Rebellen im Bürgerkrieg den Gefangenen, grundlos, beide Hände abhackten. Ob sich an der Grausamkeit der Menschen je etwas ändert?

Dieser Artikel (mit Abbildungen und Kommentaren) erschien hier.

 -Peter Ripota-
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Wenn Sie meine früheren Notizen kennen lernen oder nochmals lesen wollen, Sie finden diese im Archiv

Schwarze Löcher wurden von Karl Schwarzschild 1916 theoretisch aus den Formeln der Allgemeinen Relativitätstheorie von Albert Einstein abgeleitet. 1967 schuf John Archibald Wheeler den begriff "Schwarzes Loch" für diese Gebilde. Schwarze Löcher verschlucken alles für immer, Materie, Energie, Strahlung und Information. 1974 publizierte Stephen Hawking eine Hypothese, wonach Schwarze Löcher auch verdampfen können ("Hawking-Strahlung"), und in seinem Buch "Das Universum in der Nussschale" äußerte er die Annahme, dass Schwarze Löcher bei ihrem Ableben die gesammelte Information wieder ausspucken.

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