Notizen 045

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Das Schwarze Loch lebt! 

Liebe Freunde seltsamer Ideen!
Auch wenn ich wieder in meinem Schwarzen Loch verschwunden bin, ich war dort nicht untätig. Jede Woche schrieb ich mein "Wort zum Sonntag" für das soziale Netzwerk Seniorbook. Aber da nicht jedermann dort Mitglied ist oder sein wird, werde ich jetzt mehr oder minder regelmäßig zwei Artikel verschicken:

(1) Das neueste "Wort zum Sonntag", aber nur den "Teaser" mit Verweis auf den vollständigen Artikel auf Seniorbook.

(2) Ein "Wort zum Sonntag" von vor längerer Zeit (vollständig), das aber immer noch aktuell ist.

Heute also: 

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Mein Wort zu Sonntag: Mäusetango

In den Wahrsagekarten der Madame Lenormand gibt es eine Karte, wo Mäuse einen dicken Getreidesack anknabbern. Sie stehen für Zermürbung, Auflösung, langsame Zersetzung. So ging's dem Autor an einem Tango-Abend.

Den vollständigen Artikel finden Sie hier.

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Mein Wort zum Sonntag: Die Gedanken sind frei

Tango-Komponist Enrique Santos Discepolo nannte den Tango einen traurigen Gedanke, der getanzt wird. Manchmal hat er Recht. Denn alle, die den Tango schufen und tanzten, liebten und hassten, sie waren aus ihrer Heimat Vertriebene, durch Armut, Unterdrückung und tausend andere Gründe in die neue Welt aufgebrochen. In der neuen Heimat fanden sie Armut und Verlassenheit und noch vieles mehr, nur keine Heimat. Solche Gefühle der Verlorenheit prägten das Gefühl des Tango, und ohne dieses Gefühl kannst du nie richtig Tango tanzen.

 Die Stunde zwischen Mitternacht und Morgen - sie ist eine wahre Geisterstunde, wo die Seelen der verstorbene Porteños erwachen und von den Tanzenden unmerklich Besitz ergreifen, bis auch sie die Einsamkeit der Exilierten spüren und die verlorene Geborgenheit einer intensiven Tango-Beziehung erleben.

 Du bist verloren wie der arme Kaminkehrer, der seine galizische Heimat verließ in der Hoffnung, in Argentinien das Paradies zu finden - oder zumindest Schutz vor Verfolgung. Du stehst am Rand der Tanzfläche und findest, durch Augenkontakt, durch Intuition, durch Lenkung deiner Götter, die Tanz-Partnerin fürs Leben - für die Illusion, die "Tango" heißt und ein ganzes Leben ausmacht, auch wenn es nur drei Minuten dauert. Du umfasst sie und weißt sofort, das ist sie, auf die du so lange gewartet hast, der Traum deiner Träume, die Erfüllung deines Lebens.

Seelenvoll tanzt du mit ihr, vorsichtig führst du sie übers Parkett, lässt ihr Raum, und spürst, wie sich ihre Seele entfaltet und ihr Körper erblüht. Die Kapelle spielt einen Tango aus dem Film "Exil", und auch du fühlst dich als Verstoßener, als Außenseiter, der nirgends hingehört, ein Fremder unter Fremden, die ihn anstarren, als gehöre er nicht zu ihnen, unfähig zur Kommunikation mit dem Fremden um sie - mit dem Fremden in ihren Seelen. Du bist verbannt, verlassen, verloren. In diesem Ausgeliefertsein an ein unbegreifliches Schicksal klammerst du dich an die Person vor dir, neben dir, mit dir, die deinen Impulsen folgt und dennoch selbständig bleibt, ebenfalls verloren, und doch auch in ihrer Welt gefangen.

Du baust eine Gemeinschaft auf für die Dauer eines Tango - also für die Ewigkeit - die doch nach den letzten Klängen des Bandoneons zerbricht, da die Wirklichkeit wie ein schwarzer Krake in die Geborgenheit des Paares eindringt und sie auseinander reißt, ihnen zeigend: Ihr gehört nicht zusammen. Niemand gehört zusammen, denn ihr wisst gar nicht, wer ihr seid. Ihr seid euch selber Fremde, und ihr werdet das für immer bleiben. Nur in den seltenen Augenblicken, da die Musik euch umhüllt und die Seelen aus ihren Gefängnissen vorsichtige Fangfäden der Sehnsucht nach außen strecken, nur in diesen Momenten der Ewigkeit glaubt ihr, dass es außer euch noch jemand gibt, noch eine weitere verlorene Seele, mit der zusammen die Einsamkeit verschwinden würde.

Doch die Illusion des Tango ist die Illusion des Lebens. Ihr seid Inseln in einem Strom unverständlichen Murmelns. Nur die Musik verbindet euch, die Bewegungen, die Körper, die sich flüchtig berühren, die innig ineinander versunken verweilen, um sich dann doch wieder im unerbittlichen Takt des Tango zu lösen, die nie verharren können, immer auf der Flucht - vor der Welt, vor den Menschen, vor den Abgründen in den eigenen Seelen.

Und doch - beim Nachhall des letzten Tons hört ihr eine unendlich ferne Melodie, und der Hauch von etwas Gewaltigem legt sich als warmroter Schleier der geträumten Geborgenheit über eure wunden Seelen ... für einen winzigen Augenblick ...

 Dieser Artikel (mit Abbildungen) erschien hier.

 -Peter Ripota-
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Wenn Sie meine früheren Notizen kennen lernen oder nochmals lesen wollen, Sie finden diese im Archiv

Schwarze Löcher wurden von Karl Schwarzschild 1916 theoretisch aus den Formeln der Allgemeinen Relativitätstheorie von Albert Einstein abgeleitet. 1967 schuf John Archibald Wheeler den begriff "Schwarzes Loch" für diese Gebilde. Schwarze Löcher verschlucken alles für immer, Materie, Energie, Strahlung und Information. 1974 publizierte Stephen Hawking eine Hypothese, wonach Schwarze Löcher auch verdampfen können ("Hawking-Strahlung"), und in seinem Buch "Das Universum in der Nussschale" äußerte er die Annahme, dass Schwarze Löcher bei ihrem Ableben die gesammelte Information wieder ausspucken.

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