Notizen 036

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Religiöse Riten

Das Urteil eines Kölner Gerichts erregt die Gemüter: Die Beschneidung von Kindern (Muslime) und Säuglingen (Juden) wurde dort als Körperverletzung gebrandmarkt. Der Protest war weltweit, Juden und Muslime schlossen sich zusammen, um sich gegen jegliche Einmischung in ihre religiösen Rituale zu verwahren, namhafte Politiker aus Regierung und Opposition (Westerwelle, Schavan, Gabriel) unterstützen sie dabei.
Zunächst zu den Fakten: Die (mehr oder weniger harmlose) Verstümmelung des männlichen Glieds im Säuglings-, Jugend- oder Erwachsenenalter ist ziemlich alt. Schon die alten Ägypter praktizierten sie (an Erwachsenen), aus Gründen, die wir nicht kennen. Manche sagen, es wäre ursprünglich ein Zeichen der Unterwerfung von Sklaven oder Kriegsgefangenen gewesen. Andere stellen die Verstümmelung des männlichen Glieds (Vorhaut abschneiden, aufschlitzen, mit irgendwas ausstopfen) als Ersatz für Menschenopfer hin. Wieder andere meinen, es wäre halt ein Initiationsritus. Männer müssen sowas aushalten, sonst sind sie keine Männer. (Meine These: Das Ritual - und besonders das Ritual der Verstümmelung weiblicher Geschlechtsorgane - dient in erster Linie der Befriedigung des Sadismus der Herrschenden und wird im Nachhinein religiös verbrämt.)
Die prüden Ärzte des viktorianischen Zeitalters fanden die Beschneidung gut, weil sie das verderbliche Interesse an Sex ihrer Meinung nach einschränkte. So wurde die Praxis der männlichen Genitalverstümmlung (nennen wir die Sache doch beim Wort) in den nicht minder und auch heute noch prüden USA fortgesetzt, und sie wird routinemäßig bei Säuglingen im Krankenhaus durchgeführt, ohne die Eltern zu fragen.
Was meinen die Praktizierenden? Der Rabbiner Yehuda Teichtal sagte in einer Talkshow bei Anne Will über die Praxis der Beschneidung: "Das ist das Fundament des Judentums." Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Dieter Graumann, meinte: "Jüdisches Leben würde dadurch in Deutschland unmöglich gemacht." Rabbiner Ehrenberg (kein Deutscher) rief in der gleichen Sendung am Ende öffentlich zur Übertretung deutscher Gesetze auf. Der Präsident der Konferenz Europäischer Rabbiner, Pinchas Goldschmidt, sprach vom schwersten Angriff auf jüdisches Leben seit dem Holocaust.
Die Misshandlung von Säuglingen soll die Grundlage einer der größten Religionen sein? Wenn das so ist, wozu sind Religionen dann gut? Und wie geht es weiter? In der Bibel steht auch irgendwo, dass Ehebrecherinnen gesteinigt werden sollen. Einige muslimische Gruppen wollen die Scharia auch in Deutschland einführen, mit Peitschenhieben und Handabhacken.
Und was sagen wir dazu? Nichts, weil es uns als brave Christen nichts angeht? Dabei sind es diesmal nicht mal wirtschaftliche Überlegungen (die es uns verbieten, gegen die Verletzung von Menschenrechten in China zu protestieren). Nein, es ist eine falsch verstandene Toleranz, welche die Menschenwürde missachtet und hilflose Wesen den sadistischen Ritualen selbsternannter Moralisten überlässt. Ja Leute, wo sind wir denn? Haben wir Jahrhunderte gegen Unterdrückung und Misshandlung gekämpft, um jetzt das zuzulassen? Haben wir uns über Kindesmissbrauch in Kirchen und Schulen entsetzt, um diese Form der Misshandlung Wehrloser im Namen einer zweifelhaften Rechtfertigung zu dulden? Und wohin wird das noch führen? Vielleicht dorthin:
Wie bekannt, wird auch die Genitalverstümmelung von Frauen in manchen Gegenden der Welt, religiös begründet, praktiziert. Übrigens auch in Deutschland, da aber heimlich. Jede Volksgruppe, die glaubhaft machen kann (durch "heilige" Schriften oder jahrhundertealte Tradition), dass diese Prozedur zu ihren religiösen Ritualen gehört, dürfte nach der verqueren Logik unserer Politiker ihr grausiges Ritual weiter praktizieren, womöglich mit Unterstützung der Krankenkassen.
In unserer Gesellschaft ist es inzwischen allgemein akzeptiert und Gesetz, dass wir Kinder nicht schlagen dürfen. Schon eine Ohrfeige kann für Eltern (und erst recht für Lehrer) üble Folgen haben. Dabei kann sich diese vielleicht aus einer verständlichen aktuellen Situation begründen. Für das Kindeswohl ist ein solch einmaliges Geschehen sicherlich weitaus weniger folgenreich als die Verstümmelung des Geschlechtsorgans.
Denn so harmlos ist der Eingriff nicht. In Telepolis nimmt der Psychoanalytiker Werner Schmidbauer wie folgt Stellung: "Eine Beschneidung ist nicht die Momentshandlung, als die sie von manchen religiösen Organisationen dargestellt wird, sondern ein bis zu zwanzig Minuten dauernder chirurgischer Eingriff. Das liegt unter anderem daran, dass die Vorhaut beim Säugling mit der Eichel häufig natürlich verklebt ist und sich erst im Laufe der Kindheit löst. Bei einer Beschneidung muss sie deshalb teilweise abgerissen werden "wie ein Nagel vom Finger". Hinzu kommen ein minutenlanges Abquetschen und schließlich die Entfernung mit dem Skalpell. Weil der Eingriff im Regelfall ohne Betäubung stattfindet, erleiden Kinder Schmidbauer zufolge dabei "extreme Schmerzen", die in wissenschaftlichen Studien nachgewiesen wurden." Und weiter:
"Die hygienischen Gründe, mit denen Beschneidungen zum Teil verteidigt werden, sind dem bekannten Buchautor nach "durchsichtige Vorwände". Tatsächlich sei die Beschneidung im Islam und im Judentum nur ein Bindungsritual, das durchgeführt wird, bevor ein "erwachter kritischer Geist" es "überprüfen und womöglich ablehnen" kann."
Auch die Deutsche Kinderhilfe hat sich gegen eine Legalisierung religiöser Beschneidungen ausgesprochen. Der Verein kritisierte das Vorhaben der Bundesregierung, rechtssichere Beschneidungen zu ermöglichen. Das sei ein "Blankoscheck für religiös motivierte Kindesmisshandlungen".
Wie wahr. Und wir schauen zu.
 
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 -Peter Ripota-

 

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Schwarze Löcher wurden von Karl Schwarzschild 1916 theoretisch aus den Formeln der Allgemeinen Relativitätstheorie von Albert Einstein abgeleitet. 1967 schuf John Archibald Wheeler den begriff "Schwarzes Loch" für diese Gebilde. Schwarze Löcher verschlucken alles für immer, Materie, Energie, Strahlung und Information. 1974 publizierte Stephen Hawking eine Hypothese, wonach Schwarze Löcher auch verdampfen können ("Hawking-Strahlung"), und in seinem Buch "Das Universum in der Nussschale" äußerte er die Annahme, dass Schwarze Löcher bei ihrem Ableben die gesammelte Information wieder ausspucken.

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