Notizen 034

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Das wahre Verbrechen des Ödipus

 

Man wirft den Griechen vor, sie würden ihre Gesetze zu lasch oder gar nicht anwenden. Dabei wurden auch kleinere Vergehen in der Antike streng bestraft. Wie zum Beispiel das Verkehrsdelikt des Herrn Ödipus. Denn die "Tragödie" des Ödipus bestand darin, dass er eine antike Verkehrsregel nicht beachtete.
Wenn wir ein Kunstwerk aus anderen Zeiten oder Kulturen betrachten, können wir damit nur etwas anfangen, wenn wir "zeitlose" Aspekte hinein interpretieren. Doch das widerspricht zum Teil völlig der ursprünglichen Intention.
So auch bei der Tragödie um den Tyrannen (nicht: König!) Ödipus, wie uns die Sage von Sophokles übermittelt wird. Das beginnt mit der Prophezeiung. Seit Freud ist es üblich, politische Aspekte sexuell oder zumindest persönlich zu deuten. In der Antike war es genau umgekehrt: Dort wurden sexuelle und persönliche Aspekte politisch gedeutet. So bedeutete "der Mutter beischlafen": die heimatliche Erde wiedersehen; und "den Vater töten": sich die Herrschaft mit Gewalt aneignen.
Wie der Historiker Egon Flaig in seinem Buch "Ödipus - Tragischer Vatermord im Klassischen Athen" ausführt, hat bei Ödipus auch nicht das Schicksal zugeschlagen, sondern die Tragödie war - wie alle Athener Tragödien - ein Lehrstück der Demokratie für alle Bürger. Ödipus hat sich nämlich an der Wegkreuzung, wo er seinem Vater Laios (dem König von Theben) begegnete, eines Verkehrsdelikts schuldig gemacht.
Im Altertum hatten Wägen immer Vorfahrt vor Fußgängern. Laios war nicht nur auf einem Pferdewagen unterwegs, ein Herold ging ihm voraus, um seine Anwesenheit anzukündigen. Doch der Fußgänger Ödipus missachtete alle Gesetze: Vorfahrt von Wägen, Vorfahrt des Königs. Mehr noch, er beleidigte den König und griff ihn - laut eigener Darstellung - sogar tätlich an. Damit war Ödipus offiziell ein Wegelagerer, und mit denen konnte laut Athener Gesetz kurzer Prozess gemacht werden: Jeder konnte ihn ohne Folgen töten. Das aber tat Laios nicht. Der König gab ihm vom Wagen aus nur einen Stoß mit seiner Peitsche. Doch Ödipus griff ihn von unten an, so kam es zu dem Kampf, in dessen Gefolge Laios ums Leben kam.
Den Athener Bürgern sollte drastisch gezeigt werden, dass eine Übertretung von Gesetzen unabsehbare Folgen haben kann. Was wir daraus gemacht haben, entspricht den romantischen Vorstellungen deutscher Idealisten: Das Schicksal schlägt zu, der Mensch ist ihm unausweichlich ausgeliefert. Die griechische Tragödie besagte das genaue Gegenteil: Ödipus hätte den Prophezeiungen entgehen können, aber als mutwilligre Wegelagerer stolperte er dann doch in das ihm Vorherbestimmte hinein.
 

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 -Peter Ripota-

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Schwarze Löcher wurden von Karl Schwarzschild 1916 theoretisch aus den Formeln der Allgemeinen Relativitätstheorie von Albert Einstein abgeleitet. 1967 schuf John Archibald Wheeler den begriff "Schwarzes Loch" für diese Gebilde. Schwarze Löcher verschlucken alles für immer, Materie, Energie, Strahlung und Information. 1974 publizierte Stephen Hawking eine Hypothese, wonach Schwarze Löcher auch verdampfen können ("Hawking-Strahlung"), und in seinem Buch "Das Universum in der Nussschale" äußerte er die Annahme, dass Schwarze Löcher bei ihrem Ableben die gesammelte Information wieder ausspucken.

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