Notizen 031

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Wie gefährlich ist Facebook?

Mit dieser Frage beschäftigte sich eine Sendung der ARD (Montag, 13.2., 22:45-23:30). Um's vorwegzunehmen: Mir geht es jetzt nicht um den Inhalt der Sendung, also darum, wie machtbesessen ihr Gründer sein könnte oder welche Gefahren im Internet lauern. Darüber sind sich nicht einmal die Fachleute einig. Mir geht es um die journalistische Aufbereitung des Themas. Als ehemaliger Journalist schaue ich mir manche Sendungen etwas kritischer an als derjenige, der die Machenschaften des Journalismus nicht kennt. Insofern ist der Titel meines heutigen Rundbriefs falsch. Er müsste lauten: Wie wahrheitsgemäß berichten Medien über brisante Themen?
Um einem Missverständnis vorzubeugen: Ich bin froh, dass es kritische Medien gibt. So haben uns die deutschen Medien immerhin wiederholt gezeigt, dass ein verantwortungsloser, korrupter, verbrecherischer, lügnerischer, machtgieriger und unfähiger Mann das höchste Staatsamt bekleidet. Zumindest kommt das so rüber, wenn man über Christian Wulffs Affären liest. Ob das Bild stimmt oder möglicherweise unter Umständen ganz leicht übertrieben ist, sei dahingestellt. Uns geht es jetzt um Mark Zuckerberg und sein Magnum Opus: Facebook, das soziale Netzwerk, das nichts kostet. Jedenfalls für den Benutzer.
Die Sammlung von Daten zur gezielten Werbung (getarnt als "Vorschläge") ist nicht neu. Amazon macht das schon lange und bietet Empfehlungen auf Grund meiner früheren Bestellungen. Das System empfand ich bisher immer als höchst positiv. Die Empfehlungen waren (meistens) interessant und haben mir schon manche gute Anregungen gebracht (und Geld gekostet; meine Schuld, wenn ich nicht widerstehen kann und mir wieder mal ein Buch zulege, das sich dann tatsächlich als nützlich erweist). Zuckerberg hat das Konzept erweitert und damit eine neue Art der Werbung populär gemacht: Sie ist persönlich und unaufdringlich. Aber was geschieht mit all den Daten? Sie werden an Werbeträger verkauft, natürlich. Und sonst? In dem ARD-Beitrag wurde auf die Brisanz der Daten für Krankenkassen und potenzielle Arbeitgeber hingewiesen. Noch, sagte der Sprecher, halte sich Facebook zurück und gebe diese Daten nicht an besagte Personen und Institutionen weiter. Noch - was soll das heißen? Gab es irgendwann von Seiten Facebooks irgendwelche Andeutungen dieser Art? Was würde geschehen, wenn Facebook persönliche Daten an besagte Personengruppe weiter gäbe? Das Vertrauen der Nutzer wäre komplett dahin, die Verdienstmaschine Facebook könnte zusperren. Doch Zuckerberg und später die Aktienbesitzer wollen schließlich weiter Geld verdienen, nicht geheimdienstliche Aktionen starten. Eine solche, wenn auch nur angedeutete, Beschuldigung grenzt an Rufmord.
Weiter: Bei einem Interview mit dem Facebook-Gründer sagte der deutsche Sprecher: … und so verdienen wir Geld. Aha, jetzt wissen wir's endlich: Zuckerberg geht es nicht um Sozialbeziehungen im Internetzeitalter, sondern einzig um Geld. Aber: Im Hintergrund hörte man Zuckerbergs Originalton (in englisch), und da sagte er etwas ganz anderes, nämlich: … und so verdienen wir das Geld, das wir zur Aufrechterhaltung unserer Dienstleistungen brauchen. Nach dieser Aussage geht es Zuckerberg um das soziale Netzwerk, das kostenlos ist bleiben soll. Durch Werbung verdient er das Geld dafür. Die Prioritäten sind umgekehrt wie von der ARD angedeutet. Nicht, dass ich das glaube, aber als anständiger Journalist sollte man zumindest den Interviewer korrekt zitieren und ihm nicht das Wort abschneiden (und den Zuhörer für dumm verkaufen).
Nach all den Andeutungen und versteckten Abwertungen - wurden in der Sendung vielleicht auch Fakten präsentiert? Ja, sie wurden. Und was da an konkreten, sagen wir: Bewirkungen, zum Vorschein kam, ist höchst erfreulich. Als es in der U-Bahn von Hannover zu einer Schlägerei kam und zwei unbekannte Mädchen ein drittes zusammenschlugen, wurden die Täterinnen trotz Fotos von der Video-Überwachungskamera und Veröffentlichung der Fotos in Regionalzeitungen nicht gefunden. Die Polizeidirektion wagte ein Experiment und veröffentlichte die Fotos auf Facebook. Schon nach einer Stunde kam der erste Hinweis, nach sechs weiteren Hinweisen war klar, wer die Täterinnen waren, und so wurden sie gefasst. Es blieb nicht der einzige Fall dieser Art. So viel zu den Fakten.
Was bleibt also von Facebook? Es erlaubt einen kostenlosen, weltweiten sozialen Service. Es macht unauffällig und unaufdringlich Reklame. Und in acht Fällen half es der Polizei Hannover, Gewalttäter zu finden. Also: Wie gefährlich ist Facebook wirklich? Weitaus weniger gefährlich als diverse staatliche Datensammler, über die keiner was weiß oder sagen darf. Ich denke ja nicht, dass beim Verfassungsschutz eine Akte über mich existiert, aber man weiß ja nie. Höchst erstaunt war ich immerhin, als ich ein Dokument brauchte, auf dem dann stand, wen meine Exfrau wieder geheitratet hat. Das wollte und durfte ich nicht wissen. Natürlich muss eine Behörde diese Daten sammeln, aber wie kommt sie dazu, diese Informationen, die mich nun wirklich nichts angehen, an mich weiter zu leiten? Soviel zum Datenschutz durch den Staat.
Wie gefährlich ist Facebook also wirklich? So gefährlich wie seine Nutzer. Zuckerberg ist das Gegenteil von Steve Jobs. Der schuf eine sektenähnliche, abgeschlossene Gemeinschaft ihm Höriger. Nur die Tatsache, dass er auch Geld verdienen wollte, hinderte ihn an der völligen Isolierung seiner Anbeter. Jobs schrieb seinen Anbetern auch vor, was sie gut zu finden hatten. Zuckerberg macht das Gegenteil: Sein Netzwerk ist so offen wie irgend möglich, und er überlässt die Inhalte den Nutzern. Dass es Menschen gibt, die andere öffentlich vernichten wollen (neudeutsch: Mobbing), ist eine traurige Sache. Und auf Facebook haben sie dafür ungeahnte Möglichkeiten. Was man dagegen tun kann, sollen sich Soziologen, Psychologen, Juristen und Politiker überlegen. Aber ein offenes Netzwerk, mit dem jeder mit jedem kommunizieren kann, das zudem von misstrauischen Politikern scharf beobachtet wird - wo sind da die Gefahren?

Peter Ripota


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Schwarze Löcher wurden von Karl Schwarzschild 1916 theoretisch aus den Formeln der Allgemeinen Relativitätstheorie von Albert Einstein abgeleitet. 1967 schuf John Archibald Wheeler den begriff "Schwarzes Loch" für diese Gebilde. Schwarze Löcher verschlucken alles für immer, Materie, Energie, Strahlung und Information. 1974 publizierte Stephen Hawking eine Hypothese, wonach Schwarze Löcher auch verdampfen können ("Hawking-Strahlung"), und in seinem Buch "Das Universum in der Nussschale" äußerte er die Annahme, dass Schwarze Löcher bei ihrem Ableben die gesammelte Information wieder ausspucken.

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