Notizen 025

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Die bösen Banker, Teil 2 

Vor einiger Zeit wurde eine psychologische Studie mit Aktienhändlern durchgeführt. Pascal Scherrer und Thomas Noll testeten an der Universität St. Gallen (Schweiz) Kooperationsbereitschaft und Egoismus von 28 Aktienhändlern ("Tradern"), die sich zu dem Versuch freiwillig gemeldet hatten. Das Ergebnis war erschreckend: Die agilen Banker waren noch egoistischer und 'gemeiner' als Psychopathen, an denen solche Versuche auch unternommen wurden.
Zunächst: Worum geht es? Der Versuchsteilnehmer spielt gegen einen anderen Versuchsteilnehmer oder gegen den Computer. Er kann mit seinem Gegenüber den Gewinn teilen, dann erhält jeder die Hälfte. Er kann dem anderen diese Entscheidung vorgaukeln, dann aber doch nicht kooperieren. Dann erhält er 90% des Gewinns. Wenn der andere aber genauso denkt - beide also betrügen - dann kriegt keiner was, also jeder nix.
Bei einer geschickten Strategie kann man durchaus Gewinne erzielen. So schnitten Psychopathen besser ab als der Durchschnitt der Menschheit - Banker aber schlechter, obwohl sie noch mehr betrogen als die Psychopathen. Doch die Banker dachten nicht etwa an langfristigen Gewinn, sondern an ein kurzfristiges Übersohrhauen des anderen. Es ging ihnen also nicht mal um den eigenen Vorteil (vom Vorteil für die Firma ganz zu schweigen), sondern einzig und allein um Wettbewerb, und dass sie besser dastehen als der andere, und dass der andere schlechter dasteht als sie selbst. Der Gewinn - um den es schließlich ging - war Nebensache. Kooperationsbereitschaft: null, wobei noch zu bedenken ist, dass die Teilnehmer des Versuchs sich freiwillig gemeldet hatten, also sicherlich noch mehr Kooperationsbereitschaft zeigten als die anderen "Trader".

Aktienhändler unter sich:          

Nebenbei: Was zeichnet einen Psychopathen aus? Professor Norbert Nedopil, Forensischer Psychiater an der Ludwig-Maximilians-Uni München, sagt dazu: "Der Psychopath nutzt seine Umwelt und Mitmenschen gewissenlos und manipulativ aus - Typ Heiratsschwindler; er ist emotional kalt, kennt keine Gefühle und kein Mitgefühl, wird leicht gewalttätig; er ist impulsiv, berücksichtigt die Folgen des eigenen Handelns nicht, braucht den Kick, um sich wohlzufühlen, bricht früh die Regeln, schüchtert andere ein, will Macht. Er lernt nichts aus Strafen, kennt keine Reue, kein Schuldgefühl." Manche Vertreter dieser Spezies sind überaus erfolgreiche, oft hochintelligente Selbstdarsteller und Manipulierer. Gute Chefs oder Teamplayer sind sie nicht.
Interessanterweise waren die Aktienhändler in vielen Bereichen weniger psychopathisch als die Allgemeinbevölkerung. Hohe Werte allerdings hatten sie auf der Skala Egoismus, Lügenhaftigkeit und Risikobereitschaft. Woraus wir schließen, dass diese Menschen an ihrem schädlichen Wirken gehindert und/oder Banken abgeschafft (also verstaatlicht) werden sollten. Wenn die Lösung aller Probleme so einfach wäre, hätten wir keine mehr. Doch so funktioniert es nicht.
Der Mensch ist flexibel, die Glockenkurve menschlicher Eigenschaften und Fähigkeiten breit. Es wird immer welche geben, die am oberen oder am unteren Rand ihr Dasein fristen. Es wird immer egoistische, brutale, sadistische Menschen geben, genauso wie freundliche, hilfsbereite, mitfühlende. Man kann sie nicht eliminieren, man kann nur Institutionen schaffen, in denn sich ihre spezifischen Fähigkeiten zum Wohle der Gesellschaft entfalten. Wer aggressiv ist, wird Soldat oder Fußballer. Wer anderen gern die Knochen zerschlägt, wird Boxer oder Metzger. Wer Freude daran hat, Lebewesen zu quälen, wird Springreiter oder Forscher in einem medizinischen Labor. Und wer andere gern übers Ohr haut, wird eben Aktienhändler.
Das Problem sind die mangelnden Kontrollen dieser Institutionen. Dabei existieren sie schon: Der "Glass-Steagall Act" trennte 1933 Kreditgeschäfte vom Investmentbanking. 1999 hat ihn Bill Clinton aufgehoben, gegen den erbitterten Widerstand von Brooksley Born, der Chefin der Derivate-Aufsicht CFTC. Seitdem spielen die Finanzmärkte verrückt. Bereits 1936 hat der bedeutende Wirtschafwissenschaftler John Maynard Keynes die Einführung einer Steuer gegen Währungsspekulationen vorgeschlagen: die berühmte Transaktionssteuer. Sie hätte viele Vorteile. Die Steuer wirkt unmittelbar und umfassend, da jede Transaktion davon erfasst ist. Ein Katz- und Mausspiel zwischen Händlern und Kontrollören erübrigt sich. Die Steuer ist auch interessant, weil die so erhobenen Gelder guten Zwecken zugute kommen könnten, etwa Armutsbekämpfung, Entwicklung oder Umweltschutz. Die Steuer ist also auch ein Umverteilungsinstrument. Bis jetzt wurde sie mit unterschiedlich überzeugenden Argumenten verhindert.
Und so wird es wohl auch bald wieder einen neuen Beitrag zu diesem Thema geben ...

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 -Peter Ripota-

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Schwarze Löcher wurden von Karl Schwarzschild 1916 theoretisch aus den Formeln der Allgemeinen Relativitätstheorie von Albert Einstein abgeleitet. 1967 schuf John Archibald Wheeler den begriff "Schwarzes Loch" für diese Gebilde. Schwarze Löcher verschlucken alles für immer, Materie, Energie, Strahlung und Information. 1974 publizierte Stephen Hawking eine Hypothese, wonach Schwarze Löcher auch verdampfen können ("Hawking-Strahlung"), und in seinem Buch "Das Universum in der Nussschale" äußerte er die Annahme, dass Schwarze Löcher bei ihrem Ableben die gesammelte Information wieder ausspucken.

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