Notizen 021

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Gibt es ein höchstes Wesen? 

Jüngst kam mir das Buch "Der Gotteswahn" von Richard Dawkins unter die Finger. Darin versucht der britische Biologe auf 530 Seiten zu beweisen, dass es keinen Gott (im christlich-abendländischen Sinn) geben kann. Leicht verwundert stellte ich fest, dass zu diesem Zweck fünf Zeilen genügen. Doch Dawkins wollte ja auch die Auswüchse der unterschiedlichen Religionen zeigen, was ihm vortrefflich gelungen ist.
Indes: Kann man die Existenz oder Nicht-Existenz eines höchsten Wesens überhaupt beweisen? Dazu bräuchte man zweierlei:
(a) eine Übersicht über die Eigenschaften Gottes, und
(b) eine Methode, die Existenz oder Nicht-Existenz von irgendetwas zu beweisen.
Beides ist nicht schwierig aufzubringen. Für (a) schauen wir einfach im "Lexikon für Theologie und Kirche" nach. Die zahlreichen Eigenschaften Gottes und ihre Beziehungen zueinander habe ich hier ausführlich behandelt. Für unsere Zwecke genügt seine Allmacht.
Wegen (b) fragen wir bei jenen Menschen nach, für die Existenzbeweise zum täglichen Brot gehören: Bei den Mathematikern. Fangen wir mit einem Nicht-Existenz-Beweis an, der ist nämlich einfacher. Er geht so: Ich nehme etwas an, z.B., dass es eine größte Primzahl gibt. Dann konstruiere ich - auf Grund dieser Annahme - einen Widerspruch, z.B. eine noch größere Primzahl. Damit habe ich bewiesen: Die Annahme führt zu einem Widerspruch, das Gebilde kann es nicht geben.
Was ist eigentlich so schlimm an Widersprüchen? Die Mathematiker haben gezeigt, dass aus einer Theorie mit Widersprüchen alles abgeleitet werden kann, also zu jeder Aussage auch ihr Gegenteil. Damit wird aber jegliche Theorie überflüssig, denn um alles behaupten zu können, und auch noch das Gegenteil, dazu brauche ich keine Theorie. Theorien sind dazu da, die wahren Aussagen zu finden bzw. zu beweisen, nicht die beliebigen. Ein Beispiel für eine widersprüchliche Theorie, mit deren Hilfe alles bewiesen werden kann, findet sich ebenfalls hier.
Und wie beweisen Mathematiker, dass etwas existiert? Das ist kompliziert und zunächst nicht so ganz verständlich. Sie nehmen einfach an, "X" existiere nicht. Dann konstruieren sie aus dieser Annahme einen Widerspruch. Also ist die Annahme falsch und "X" existiert nicht nicht, also doch. Für Nicht-Mathematiker eine etwas verquere Denkart, aber sie scheint ganz gut zu funktionieren.
Zurück zu unserem höchsten Wesen. Wir brauchen zur Konstruktion eines Widerspruchs nur eine seiner Eigenschaften, seine Allmacht. Die Konstruktion war angeblich schon den alten Chinesen bekannt, sicherlich aber den Kirchengelehrten des Mittelalters. Sie stellten die Frage:
Wenn Gott allmächtig ist, kann er dann einen Stein erschaffen, der so schwer ist, dass er ihn nicht aufheben kann? Wenn ja, ist er nicht allmächtig, denn er kann nicht alles bewegen. Wenn nein, ist er erst recht nicht allmächtig, denn er kann nicht alles erschaffen. So oder so, Gott kann nicht allmächtig sein, jedenfalls nicht im absoluten Sinn.
Na gut, dann schränken wir seine Macht ein wenig ein. Aber das geht nicht. Denn wir wissen nicht, wie weit. Außerdem ist dann ein Wesen mit ein klein wenig mehr Macht denkbar und möglich, und unser Gott wäre nicht der einzige.
Aber wer wird's denn so genau nehmen mit den Widersprüchen. Wir leben ja alle damit. Mal sind wir fröhlich, mal traurig, mal still, mal laut. Stimmt, aber die Betonung liegt auf "mal". Für Gott indes existiert keine Zeit, also kann er nicht gleichzeitig so und das Gegenteil sein.
Letzter Einwand: Ich nehm's nicht so genau mit der Logik, ich erfasse Gott intuitiv. Auch möglich. Dann aber gilt Wittgensteins Schlusssatz aus dem "Tractatus logico-philosophicus": Worüber man nicht reden kann, darüber muss man schweigen. Dann kann man aber auch nicht von "Gott" sprechen und schon gar nicht von irgendeiner seiner Eigenschaften, wie Güte oder Vergebung.
Kurzum: So geht es nicht. Aber, wie würde denn der Verfasser so unkatholischer Zeilen die Frage des Mephisto aus Goethes "Faust" beantworten: Wie hältst du's mit der Religion?
Seitdem ich Lao Tses "Tao te king" las, bin ich Taoist. Denn dieser Spruch des chinesischen Gelehrten (leicht gekürzt) beschreibt meine Seelenlage so gut wie sonst nichts:


Andere Menschen sind vergnügt,
ich aber treibe dahin, allein,
ohne zu wissen, wer ich bin,
wie ein neugeborenes Kind,
bevor es das erste Lachen lernt.

Die Menschen haben mehr, als sie brauchen,
ich allein scheine nichts zu besitzen.
Mein Sinn ist wie der eines Narren - leer.

Die anderen sind lustig und froh,
ich allein bin trübe und kraftlos.
Die anderen sind scharfsinnig und klug,
ich allein bin langweilig und dumm.

Die anderen haben alle ein Ziel,
ich allein bin unwissend und ungebildet.

Ich bin anders als alle andern,
aber die Große Mutter
hegt und pflegt mich.

-Peter Ripota-

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Schwarze Löcher wurden von Karl Schwarzschild 1916 theoretisch aus den Formeln der Allgemeinen Relativitätstheorie von Albert Einstein abgeleitet. 1967 schuf John Archibald Wheeler den begriff "Schwarzes Loch" für diese Gebilde. Schwarze Löcher verschlucken alles für immer, Materie, Energie, Strahlung und Information. 1974 publizierte Stephen Hawking eine Hypothese, wonach Schwarze Löcher auch verdampfen können ("Hawking-Strahlung"), und in seinem Buch "Das Universum in der Nussschale" äußerte er die Annahme, dass Schwarze Löcher bei ihrem Ableben die gesammelte Information wieder ausspucken.

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