Notizen 016

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Warum wir Kernkraftwerke brauchen

Neulich hatte ich einen furchtbaren Alptraum. Ich saß wieder auf der Schulbank, und in der Deutschstunde gab es als Schulaufgabe das Thema: "Was wäre, wenn überall der Strom ausfiele". Als erstes fiel mir der Kühlschrank ein und die schönen Lebensmittel, die jetzt alle verderben. Doch dann kam ein ganz anderer, reichlich absurder Gedanke: Die Kernkraftwerke der Welt können jetzt nicht mehr gekühlt werden, und alle explodieren. Schweißgebadet wachte ich auf und stellte erleichtert fest: Es war ja nur ein Traum.
Oder auch nicht.
Und so fragen wir uns, warum die Menschheit eine Energieform befürwortet und fördert, die zum Gefährlichsten, Teuersten und Uneffektivsten zählt, was man sich vorstellen kann. Besonders verwundert, dass ausgerechnet die Japaner auf Atomkraft setzten, wo sie doch als einzige die schrecklichen Folgen zweier Atomexplosionen erleiden mussten. Sachargumente sind Unsinn. In Japan scheint die Sonne, der Wind weht, das Meer brandet an die Küste und in den Bergen fließen Flüsse ins Tal - alles Möglichkeiten, Energie zu erzeugen. Das kleine Österreich hat kein Meer und kein Atomkraftwerk und exportiert dennoch Strom. Was also treibt die Japaner, sich mit dem (ihnen bekannten) Teufel zu verbinden? Erstens wollten sie unbedingt die Besten werden, in technischer Hinsicht, und das ist ihnen weitgehend gelungen. Dazu gehörte aber auch, mit der komplexesten Technik umgehen zu können, und das ist nun mal die Atomenergie. Doch hinter Japans Begeisterung für Atomkraft steht möglicherweise auch der Wunsch, den erlebten Schrecken zu beherrschen und eine Zerstörung wie 1945 nicht mehr zuzulassen. Die Japaner waren dem Grauen der Atombomben schutzlos ausgeliefert. Jetzt wollten sie selbst zum Meister über diesen Dämon werden, damit so etwas wie in Hiroshima und Nagasaki nie wieder geschehen kann - eine Gedankenkette, die sich leider als Irrtum erwies.
Aber warum forcieren wir eine Technik der Energieerzeugung, die zum Teuersten und Schädlichsten gehört, was man sich vorstellen kann? Des Klimaschutzes wegen? Eines der absurdesten Argumente. Ein Experte aus Wuppertal formulierte es so: Es müssten tausende Kernkraftwerke gebaut werden, damit auch nur ein paar Prozentpunkte an CO2 eingespart werden können, mit eher zweifelhaften Auswirkungen. Warum dann? Es gibt auf der ganzen Welt kein einziges Endlager für radioaktiven Abfall, wohin also mit dem Zeugs, das aus Fässern rinnt und in das Grundwasser sickert? Ganz abgesehen davon, dass ganze Landstriche durch die Urangewinnung verwüstet und verstrahlt werden. Zudem sind Atomkraftwerke extrem ineffizient: Eine äußerst hochwertige Technik produziert die primitivste mögliche Energieform, nämlich Wärme. Das Betreiben eines Atomkraftwerks ist so ähnlich, wie wenn Sie den Fernseher einschalten, um sich über dem Bildschirm die Hände zu wärmen. Oder Sie schalten die Kühlung an Ihrem Computer ab, bis er so heiß gelaufen ist, dass Sie sich Ihr Mittagsessen dort wärmen können.
Warum alle Regierungen Kernkraftwerke so lieben, ist leicht zu erklären. Der Grund für diese Vorliebe kann durch eine Jahreszahl ausgedrückt werden: 1984. Sicher haben Sie von dem Roman gehört, in dem der Brite George Orwell den perfekten Überwachungsstaat schildert. Und genau das repräsentiert ein Kernkraftwerk im Kleinen: den perfekten Überwachungsstaat. Dazu noch auf eine Art, die allgemein akzeptiert werden kann. Denn statt eines arroganten, blutrünstigen und unbelehrbaren Diktators gibt es reine Sachzwänge. Dass jeder Mitarbeiter streng überwacht werden muss, leuchtet allen ein. Schließlich muss man wissen, ob er irgendwie verstrahlt ist oder gar (aus Versehen) etwas hinaus- oder hinein genommen hat, was den allgemeinen Ablauf gefährden könnte. Störfälle werden nicht gleich an die große Glocke gehängt, man will ja die Bevölkerung nicht verunsichern. Kontrollen von außen gibt es nicht, dafür sorgen Gesetze. Ein Atomkraftwerk ist eine perfekte Diktatur ohne Diktator, in der jeder und alles überwacht wird, ohne Proteste, ohne ausgleichende Instanzen - ein Paradies für jeden, der Macht ausüben will.
Und deswegen brauchen Regierungen in aller Welt dieses Modell eines abgeschlossenen Staates, den sie wegen aufgeklärter Bürger und Internet in der wirklichen Wirklichkeit bedauerlicherweise nicht mehr realisieren können.
Peter Ripota

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Schwarze Löcher wurden von Karl Schwarzschild 1916 theoretisch aus den Formeln der Allgemeinen Relativitätstheorie von Albert Einstein abgeleitet. 1967 schuf John Archibald Wheeler den begriff "Schwarzes Loch" für diese Gebilde. Schwarze Löcher verschlucken alles für immer, Materie, Energie, Strahlung und Information. 1974 publizierte Stephen Hawking eine Hypothese, wonach Schwarze Löcher auch verdampfen können ("Hawking-Strahlung"), und in seinem Buch "Das Universum in der Nussschale" äußerte er die Annahme, dass Schwarze Löcher bei ihrem Ableben die gesammelte Information wieder ausspucken.

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