Notizen 014

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Neukaledonische Krähen

Vor einiger Zeit ging eine Meldung durch die Fach- und Laienpresse: In Neukaledonien hätte man Krähen entdeckt, die sich aus Bambuszweigen Werkzeuge basteln. Wie erstaunt war ich, als ich bei einem Spaziergang auf den Münchner Olympia-Hügel am Wegrand eine Krähe sah, die mit dem linken Fuß einen Zweig hielt, den sie mit dem Schnabel eifrig schälte und zu einem Werkzeug formte. Sind die Krähen aus Neukaledonien jetzt auch bei uns eingewandert, aber wie? Oder haben unsere Krähen durch ein morphisches Feld diese Gabe übermittelt? Oder, einfachste Erklärung, lesen Krähen auch Wissensmagazine?
Wie auch immer, bei derartigen Beobachtungen erhebt sich die Frage, ob solche Lebensformen intelligent sind oder gar Bewusstsein besitzen. Um letztere Frage zu klären, entwickelten Verhaltensforscher einen Test, der so aussieht: Man schmiert dem Lebewesen einen grünen Fleck auf eine Stelle, die es normalerweise nicht sieht, das ist bei Säugetieren die Stirn, bei Vögeln die Brust. Dann stellt man sie vor einen Spiegel und schaut, was sie machen. Diejenigen, die nun eifrig versuchen, den Fleck zu entfernen, sind per Definitionen selbst-bewusst. Die anderen nicht.
Als man den Test an verschiedenen Lebensformen durchführte, ergab sich folgendes Bild: Schimpansen bestehen ihn, Gorillas nicht. Elstern bestehen ihn, Elefanten nicht. Angehörige der westlichen Kultur bestehen ihn (auch schon als Säuglinge), Japaner nicht (auch nicht als Erwachsene).
Hoppla - da stimmt etwas ganz und gar nicht mit den Japanern, oder dem test. Tatsächlich kann man das "Nicht-Bestehen" (genauer: das Ignorieren des Farbflecks) unterschiedlich erklären. Bei Elefanten ist es einfach: Denen fällt so viel auf den Kopf, dass es eine Sisyphus-Arbeit wäre, alles gleich los zu werden. Zudem brauchen sie das nicht: Beim nächsten Bad geht eh alles weg. Bei Gorillas ist das so: Wenn einer einen anderen längere Zeit anstarrt, bedeutet dies Ärger, und den wollen die friedlichen Tiere vermeiden. Um den Fleck zu entfernen, müsste der Gorilla aber sein Spiegelbild - einen anderen Gorilla - länger anstarren, und das macht er nicht aus Gründen der Friedfertigkeit. Und die Japaner und andere nicht-westliche Völker? Die sind stark gruppenorientiert. Sie mögen nicht auffallen und nicht herausragen. Der Fleck würde sie von der Gruppe entfremden, und das ignorieren und verdrängen sie lieber.
Was beweist das? Dass Forscher gelegentlich schlampig arbeiten und sich nicht in andere Lebensformen hinein versetzen können oder voreilig Schlüsse zeihen, die nicht berechtigt sind. Besonders eklatant erlebte ich das an einem anderen Beispiel. Untersuchungsergebnisse zeigten, dass es zwischen Männern und Frauen schon im Kindesalter Unterschiede gibt: Jungs wählen freiwillig technisches Spielzeug, Mädels Puppen. Jeder, der das liest, denkt an saubere Versuchsanordnungen und korrekte Ausschaltung störender Nebenumstände.
Das dachte ich auch, bis ich zufällig im TV den Versuch live sah. Und ich war entsetzt: Da stand eine Gruppe Jungs, und daneben eine Gruppe Mädels. Dann wurden sie auf das Spielfeld losgelassen. Und was geschah? Einer der Jungs preschte vor, die anderen folgten ihm, mehr oder minder zögerlich. Glaubt wirklich jemand, einer der Jungs hätte es gewagt, vor den anderen eine Puppe in den Arm zu nehmen? Mit wie viel Hohn und Spott hätten ihn die andern übergossen, und das wollte keiner riskieren. So blieben den Mädels auch nur die Puppen, und sich bei den Jungs anbiedern wollte auch keine.
Walt Disneys hat aus dieser Erkenntnis - dem bereits verinnerlichten Gruppenzwang - einen sehr schönen Animationsfilm gemacht. Die kleine Fee Tinkerbell kann das, was ihr Name sagt: "Tinker" ist der "Kesselflicker", und das zarte Wesen kann mit mechanischen Geräten ganz fantastisch umgehen. Das aber will sie nicht wahrhaben oder gar ausüben, denn Feen sind dazu da, Blumen zu bestäuben oder auf Staubgefäßharfen zu klimpern. Bis sie sich zu ihrem Talent durchringt, das dauert (siehe meinen Beitrag: Ungeliebte Talente).

  Tinkerbell: zartes Wesen, starke Hände

Was folgern wir daraus? Glaubt nie, was Psychologen wieder mal todsicher herausgefunden zu haben glauben!

PS. Ich durfte als Kind nie mit meiner Barbiepuppe spielen, ein Mangel, aus dem meine zahlreichen Neurosen entsprangen. Die Tatsache, dass es zu meiner Zeit noch gar keine Barbiepuppen gab, lasse ich als Entschuldigung nicht gelten!

Peter Ripota
 

Eine neukaledonische Krähe betrachtet ein potenzielles Werkzeug ...
 
 
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Schwarze Löcher wurden von Karl Schwarzschild 1916 theoretisch aus den Formeln der Allgemeinen Relativitätstheorie von Albert Einstein abgeleitet. 1967 schuf John Archibald Wheeler den begriff "Schwarzes Loch" für diese Gebilde. Schwarze Löcher verschlucken alles für immer, Materie, Energie, Strahlung und Information. 1974 publizierte Stephen Hawking eine Hypothese, wonach Schwarze Löcher auch verdampfen können ("Hawking-Strahlung"), und in seinem Buch "Das Universum in der Nussschale" äußerte er die Annahme, dass Schwarze Löcher bei ihrem Ableben die gesammelte Information wieder ausspucken.

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