Notizen 019

Wenn der Newsletter nicht richtig angezeigt wird, klicken Sie bitte hier.

Warum Männer nicht tanzen
(können, wollen, dürfen, sollen, müssen)

 

Einige meiner Leser wissen vielleicht, dass ich gerne tanze. Früher war es griechische Folklore, dann Standardtanz, zuletzt argentinischer Tango, bei dem ich hängen blieb. Wann immer ich diese Tatsache jemandem kundtat, egal ob männlich oder weiblich oder irgendwo dazwischen, erntete ich Anerkennung und Bewunderung. Umso erstaunter war ich über einen Beitrag des Südwestfunks mit dem bezeichnenden Titel "ECHTE MÄNNER TANZEN NICHT" (das Manuskript hat ein Tangoliebhaber über Yahoo liebenswerterweise zur Verfügung gestellt), in dem Tanzen von Seiten der Männer nur Ablehnung und Verachtung erfährt. Besonders krass ist der Fall eines Jungen, der mit seinem Vater aufs Fußballfeld ging:
Ich kann mich noch erinnern, ich habe mal auf dem Fußballplatz, also meinen Sohn zum Training gebracht und dann fiel mir ein Tanzschritt ein und ich wusste nicht genau, wie der ging und hab das so am Rande probiert. Mein Sohn hat das gesehen und gesagt, er würde nie mehr von mir zum Training gebracht werden wollen, wenn ich noch einmal so einen Tanzschritt am Rande vom Fußballplatz probiere.
Tanzen scheint anstößiger zu sein als der Besuch eines Beate-Uhse-Ladens:
... hab mich erst mal kundig gemacht und bin dann auf eine sehr bekannte Privatschule und weiß noch, dass ich da tagelang drumherumgelaufen bin, weil ich auch Schiss hatte oder eine Scham - du gehst jetzt dahin und da stehen dann tausend Mädchen in Tutus und Ballettröcken, die dich beäugen und kucken, wie sieht das aus. Und hab diese Schule dann permanent umkreist, bis ich mir ein Herz gefasst habe und dahin gegangen bin.
Dabei ist dieses Verhalten, biologisch gesehen, kontraproduktiv:
Es gibt viele Kulturen, da tanzen vor allem die Männer und es ist vielleicht, ich will mal sagen eine bestimmte Marotte, dass hierzulande die Männer so eher tanzmuffelig daherkommen. Weil wie Männer vielleicht auch meinen, das sei unmännlich, aber das ist es nicht. Gehen Sie nach Jamaica, da tanzen die Männer und drücken durch diesen Tanz ihre genetische Fitness aus. Da gibt es ne schöne Untersuchung vor zwei, drei Jahren publiziert, dass man ganz klar sagen kann, je besser einer tanzt, desto gesünder ist er, desto symmetrischer ist sein Körper und die Körpersymmetrie hat was mit Gesundheit, mit ganz allgemeiner Gesundheit zu tun und das wiederum hat was mit Immunsystem mit Immunstärke zu tun. Also die Männer dokumentieren durch die Güte ihres Tanzes, dass sie fit sind. Und damit haben sie auch bessere Chancen bei den Frauen. Also ein Tanzmuffel hätte da ganz schlechte Karten.
Wir müssen nicht bis nach Jamaika. Auch in Europa haben die meisten Männer den evolutionären Vorteil des Tanzens in sich:
Das ist ne ganz normale Hochzeit in Aserbaidschan. Und hier sieht man wie die Männer richtig abgehen. Da zeigen die Alten den Jungen, was die drauf haben, guck mal was für ein Sprung! Du siehst, es ist auch gar keine Konkurrenzgeschichte. Die sind alle fröhlich und motivieren sich, wenn einer in die Mitte geht.
Eine uns bekannte spanische Tangotänzerin, in Deutschland sehr erfolgreich, überlegt, wieder in ihre Heimat zurück zu kehren. Der Grund: Ihr Sohn soll unter sinnvollen Bedingungen aufwachsen, was in diesem Fall bedeutet: Er soll eine vernünftige Einstellung zum Tanzen kriegen, und Tanzen für Männer nicht von vornherein ablehnen, wie es hierzulande eben üblich ist.
Nun gibt es völlig unsinnige Entschuldigungen dafür, dass Männer nicht tanzen:
Ein Problem beim Tanzen ist, dass es eine extrem demokratische Angelegenheit ist. Es kann passieren, dass man sich auf der Tanzfläche plötzlich neben jemanden befindet, der hundert Mal besser ist als man selbst. Da kann es passieren, dass man jemanden sieht und sich sagen muss: Ich sollte es wirklich nicht wagen, mich überhaupt in die Nähe dieser Person zu begeben und ich sollte es schon gar nicht wagen, mit ihr zu tanzen!
Also was ist dann der wahre Grund der Ablehnung? Mit diesen Zitaten kommen wir der Ursache schon näher:
Mädchen fühlen sich hingezogen zu Jungen, die tanzen können. Die Jungs haben es auch schwer. Während die Mädchen ruhig herumwackeln, zappeln und wippen können, müssen die Jungen vor allem darauf achten, cool und männlich rüberzukommen, wenn sie sich amüsieren. Mädchen können ruhig albern sein, das macht nichts. Na ja gut, es kann schon ein bisschen blöd wirken, aber für Jungen ist das viel, viel schwieriger. Ein Junge muss auf seine Wirkung achten, cool sein, gut drauf sein und dabei auch noch tanzen. Ich glaube viele Jungen wissen wirklich nicht, wie sie das hinbekommen sollen, zumal viele Kerle zwei linke Füße haben und nicht tanzen können.
Jetzt endlich haben wir den Schlüssel zur Tanzablehnung der Männer gefunden! Es geht um das Wort "cool", das unübersetzbar blieb und auch bleiben soll. Ursprünglich war dies ein Ausdruck der amerikanischen Negersklaven. Es war die Aufforderung, keine Gefühle zu zeigen, wenn einen die sadistischen weißen Herren wieder mal grundlos quälten und sich daran ergötzten. Daraus erwuchs dann, unabhängig von der Situation, die Forderung, überhaupt keine Gefühle zu zeigen, außer Verachtung, oder nur gelangweilt in die Gegend zu starren. Und so wurde der Begriff missbraucht. Heute ist es cool, einen alten Mann in der U-Bahn zusammenzuschlagen, ihm alle Knochen zu brechen, das ganze noch zu videografieren und per Handy an die anderen coolen Jungs zu schicken. Gefühle darf man dabei schon zeigen, nämlich Schadenfreude über die großartige Tat, nicht aber Mitleid. Dabei bedeutete dieser Ausdruck in den afrikanischen Sprachen ursprünglich die Würde des Potentaten. In diesem Sinn ist Elisabeth II "cool", nicht aber ein langweiliger Sinatra-Song oder der jugendliche Schläger. Kurzum: Wer als Mann Gefühle der Schwäche zeigt, ist in unserer Ellbogengesellschaft unten durch (und bei den Frauen auch, trotz gegenteiliger Beteuerungen. Die mögen keine weinerlichen Weicheier. Siehe hier). Daraus folgert die Gesellschaft der Männer: Wer irgendwelche Gefühle zeigt, ist unten durch. Beim Tanzen indes könnte man ja Gefühle der Freude, der Innigkeit, der Romantik zeigen. Und so was darf ein echter Kerl nicht, sonst ist er kein richtiger Mann.
Bin ich froh, dass mich dieser Scheiß nicht kümmert!

 -Peter Ripota-
 

 

Wenn Sie meine früheren Notizen kennen lernen oder nochmals lesen wollen, Sie finden diese im Archiv

Schwarze Löcher wurden von Karl Schwarzschild 1916 theoretisch aus den Formeln der Allgemeinen Relativitätstheorie von Albert Einstein abgeleitet. 1967 schuf John Archibald Wheeler den begriff "Schwarzes Loch" für diese Gebilde. Schwarze Löcher verschlucken alles für immer, Materie, Energie, Strahlung und Information. 1974 publizierte Stephen Hawking eine Hypothese, wonach Schwarze Löcher auch verdampfen können ("Hawking-Strahlung"), und in seinem Buch "Das Universum in der Nussschale" äußerte er die Annahme, dass Schwarze Löcher bei ihrem Ableben die gesammelte Information wieder ausspucken.

---------------------------------------------------------------------

Wenn Sie den Newsletter in Zukunft nicht mehr erhalten wollen, können Sie Ihre E-Mail- Adresse hier aus dem Verteiler löschen:

http://stereo.peter-ripota.de/newsletterabonn-de-3502.html

Impressum: Angaben gemäß § 5 TMG:
Peter Ripota, Gertrud-Bäumer-Str. 2, 80637 München
Kontakt: Telefon: 089 1596198, E-Mail: tango@peter-ripota.de
Umsatzsteuer-ID: 67 189 153 024
Verantwortlich für den Inhalt nach § 55 Abs. 2 RStV:
Peter Ripota, Gertrud-Bäumer-Str. 2, 80637 München