Notizen 012

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Eine Weihnachtsgeschichte 

Alle Jahre wieder kommt das Christuskind. Wie schön, dass es ein Wesen gibt, auf das man sich verlassen kann. Denn bei Menschen ist es doch so, dass sie mal dies und mal jenes tun. Oder? Kann man möglicherweise die Handlungen der Menschen vorausberechnen?
Das fragte sich auch der englische Schriftsteller Gilbert Keith Chesterton (1874 - 1936), den hierzulande kaum jemand kennt, während eine seiner Romanfiguren Berühmtheit erlangte: der katholische Priester Pater Brown, der auf höchst eigenwillige Weise Kriminalfälle löst (und mit seiner Verkörperung durch einen bayerischen Kabarettisten nicht das Geringste zu tun hat).
In einer seiner Erzählungen mit dem Titel "Das Zeichen des zerbrochenen Schwerts" macht er das Problem der Berechenbarkeit menschlicher Handlungen zum Thema. Die Erzählungen geht wie folgt:
Zur Zeit der lateinamerikanischen Befreiungskriege gab es zwei Kontrahenten: einen brasilianischen General, der sich durch Großzügigkeit auszeichnete und alle seine Gefangenen stets wieder in die Freiheit entließ; und als sein Gegenspieler ein englischer Major im Dienst der Portugiesen, der als menschliche Rechenmaschine bekannt war. Niemals ging er ein Risiko ein. Schlachten begann er nur, wenn er sich des Siegs sicher sein konnte - ein Mensch, scheinbar frei von Emotionen und nur von einem kühl kalkulierenden Verstand geleitet.
Eines Tages nun geschah das Unglaubliche: Der Major zog in eine Schlacht, die er verlieren musste (der Gegner war in der Übermacht), und die er auch verlor, mit zahlreichen Opfern auf beiden Seiten. So geriet er in Gefangenschaft, und der sonst so großzügige General ließ ihn am nächsten Baum aufknüpfen. Was war da geschehen? Einer der klügsten Männer auf Erden handelte grundlos wie ein Idiot. Einer der gütigsten Männer auf Erden handelte grundlos wie ein Schurke. Ist so etwas über Nacht möglich?


Pater Brown geht der Sache nach und kommt in seinen Untersuchungen zu einem überraschenden Ergebnis: Die beiden Männer handelten so wie immer. Aber wie ist das möglich?
Es ist wie bei einem Zauberkunststück: Wie sehen etwas und konstruieren eine Kausalkette. Aber die ist falsch. Und wenn wir meinen, den Charakter eines Menschen erfasst zu haben, können wir uns auch täuschen, denn seine verborgene Seite ist uns nicht bekannt. So auch beim englischen Major: Einerseits war er tatsächlich ein Verstandesmenschen ohne Gefühle, doch als Ausgleich brauchte er den emotionalen Kick. Und der bestand für ihn im Wetten. Davon wurde er süchtig, und, dummerweise, auch arm. Denn das Glück am Roulettetisch oder auf der Pferderennbahn ist nicht zu fassen. Weil der Major aber weiter seiner Sucht frönen musste, vergriff er sich schließlich an der Regimentskasse. Das aber bemerkte sein Adjutant, und er stellte seinen Vorgesetzten zur Rede. In einer für reine Verstandesmenschen vermutlich typischen Reaktion griff der Major zu seinem Schwert und durchbohrte den Zeugen seiner Missetaten.
Jetzt aber hatte er eine Leiche, die er loswerden musste. Doch wie? Pater Brown fragt: Wo versteckt man ein Sandkorn? Am Strand. Wo versteckt man ein welkes Blatt? Im Wald. Und wo versteckt man eine Leiche? Auf dem Schlachtfeld. Wenn es aber keines gibt? Dann muss man eben eines schaffen, mit möglichst vielen Toten. Was der englische Major, emotionslos wie bei allen seinen Kriegshandlungen, denn auch tat.
Und der großzügige General? Der machte, was er immer machte: Er ließ den prominenten Gefangenen laufen. Doch dessen am Leben gebliebene Untergebene hatten inzwischen das Spiel durchschaut. Sie packten ihn, machten wenig federlesens und knüpften ihn am nächsten Baum auf.
Moral: Manchmal trügt der äußere Schein. In diesem Sinn: Frohe Weihnachten!

Illustration: Fritz Fischer
... und wer eine musikalische Illustration zum Schluss der Erzählung sucht, findet sie hier.
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 -Peter Ripota-

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Schwarze Löcher wurden von Karl Schwarzschild 1916 theoretisch aus den Formeln der Allgemeinen Relativitätstheorie von Albert Einstein abgeleitet. 1967 schuf John Archibald Wheeler den begriff "Schwarzes Loch" für diese Gebilde. Schwarze Löcher verschlucken alles für immer, Materie, Energie, Strahlung und Information. 1974 publizierte Stephen Hawking eine Hypothese, wonach Schwarze Löcher auch verdampfen können ("Hawking-Strahlung"), und in seinem Buch "Das Universum in der Nussschale" äußerte er die Annahme, dass Schwarze Löcher bei ihrem Ableben die gesammelte Information wieder ausspucken.

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