Notizen 005

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Ist Intelligenz vererbbar?

Nach den öffentlichen Diskussionen um Gene, die Intelligenz oder Schwachsinn bewirken, nun mal die Antwort der Wissenschaft (die genauso vorläufig ist wie alles andere). Also, wie steht es mit der Vererbung von Fähigkeiten?
Es begann mit Jean-Baptiste Pierre Antoine de Monet, Chevalier de Lamarck (1744 - 1829), einem der Pioniere der Biologie. Er führte die Systematik des Karl von Linné weiter und beschäftigte sich auch mit Physik, Chemie, Meteorologie und Geomorphologie. Seine Evolutionstheorie nahm Darwins Ideen vorweg, aber heute noch in Erinnerung ist er durch seine These von der Vererbung erworbener Eigenschaften. Denn: Veränderte Umweltbedingungen veranlassen nach Lamarck die Tiere zu veränderten Gewohnheiten (Verhaltensformen), die zu einem veränderten Gebrauch von Organen führt. Der veränderte Gebrauch bewirkt Modifikationen des Organs, und diese werden auf die Nachkommen vererbt.
Dann kam Charles Darwin und sagte dazu: Nonsense. Es wird immer das Gleiche vererbt, aber durch die natürliche Auslese werden diejenigen Genträger eliminiert, die in den veränderten Umweltbedingungen nicht mehr existieren können. Neues entsteht nur durch rein zufällige Mutationen, also Änderungen des Erbguts.
Als dann 1953 der genetische Code im Prinzip entschlüsselt wurde - durch James Watson und Francis Crick - da war klar: Der Weg führt immer von den Genen zum Körper und zu seelisch-geistigen Eigenschaften. Crick machte 1957 daraus sogar ein Dogma, das "Zentrale Dogma" der Molekularbiologie: Der Informationsfluss geht immer von der DNS über die RNS auf das Protein. Was ein Dogma in der Wissenschaft zu suchen hat, bleibt dabei unklar. Für Dogmen ist der Papst zuständig: Was er sagt, muss geglaubt werden. Offenbar hielt sich Crick für den Papst der Biologie.
2001 veröffentlichen dann die Zeitschriften Nature und Science zeitgleich die Sequenzversionen des menschlichen Genoms, die vom internationalen Humangenomprojekt sowie von Craig Venter und seiner Firma Celera Genomics aufgestellt wurden. Damit war klar: Der Mensch ist kartografisch erfasst, wir wissen alles über ihn.
Nichts wissen wir, gar nichts. Der erste Schock kam mit einem Kater. Duane C. Kraemer von der Texas A&M University klonte auf Wunsch seines Besitzers dessen Kater. Die Kopie mit dem prosaischen Namen "Cc" (Carbon copy = Xerokopie) entpuppte sich als völlig anderes Wesen. Der Klonbruder - mit identischen Genen zum Original! - war neugieriger und verspielter als sein Zwilling, sein Fell hatte eine andere Zeichnung, die Augen waren blau statt braun. Damit scheint der Traum von der exakten Kopie eines Lebewesens erst mal auf Eis gelegt. So kann auch die Raelianer-Sekte ihre Vision begraben, Jesus und Hitler als Klone wieder auferstehen zu lassen. Könnte sein, dass sich Hitler (neu) als friedvoller Postkartenmaler entpuppt und Jesus (neu) als fanatischer Kriegstreiber.
 

Dann kam die nächste Erkenntnis: Gene können ein- und ausgeschaltet werden. Eine neue Wissenschaft namens Epigenetik beschäftigt sich damit. Cricks Dogma ist eine hohle Phrase, doch in den Lehrbüchern steht noch nichts darüber. Kurzum: Intelligenz kann zwar nicht vererbt werden, denn es gibt kein einzelnes Intelligenzgen. Wohl aber kann die Anlage dazu von Generation zu Generation weiter gegeben werden - auf eine Art, die wir noch nicht kennen. Wir wissen zwar, wie der Genschalter funktioniert (durch "Methylierung"), nicht aber, wann und warum.
Vor allem: Lamarck hatte Recht. Denn Untersuchungen ergaben, dass Traumatas "vererbt" werden (durch Ein- und Ausschalten bestimmter Gene), und das bis ins dritte Glied. Das gilt möglicherweise auch für Begabungen, die durch eine Mischung aus Umwelt und Vererbung weiter gegeben werden.
Und so können wir endlich die Frage beantworten: Besitzen bestimmte Kulturen ein spezielles Intelligenz- oder Dummheitsgen? Höchstwahrscheinlich nicht. Aber offenbar haben manche Kulturen eine Tradition, in der Intelligenz, wacher Verstand, kritische Auseinandersetzung und ethisches Bewusstsein gefördert und an die Nachkommen weiter gegeben ("vererbt") werden. Und andere Kulturen haben das nicht.

-Peter Ripota-
 

Intelligenz oder Dummheit: vererbbar?  Illustration: P.M.-Magazin


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