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Die Macht der Mythen

Mythen sind Denkgebäude, die dem Überleben dienen. Sie sind weder wahr noch falsch, aber nützlich oder schädlich. Meist sitzen sie so tief verankert im kollektiven Unbewussten, dass wir sie gar nicht bemerken. Kollektive (gesellschaftliche, kulturelle) Mythen sind beispielsweise die Idee, dass im Kapitalismus der Markt sich selbst reguliert; oder dass der Bundespräsident nicht vom Volk gewählt werden darf, weil er sonst zu viel Macht besäße.
Zwei geschichtliche Mythen möchte ich hier erwähnen. Der eine erlaubte seinem Volk das Überleben, der andere vernichte eine ganze Zivilisation. Der eine betrifft die - damals revolutionäre - Idee, dass Gott nicht an einem bestimmten Ort angebetet werden muss. Die gesamte Antike glaubte daran. Zerstörten Eroberer das zentrale Heiligtum, war's mit der Religion und der kulturellen Identität vorbei. Auch die Hebräer des Altertums waren dieser Meinung. Als die Assyrer 722 v. Chr. den Norden (Israel) eroberten und die Oberschicht verschleppten, hörte das Volk Israel zu existieren auf. Fortan nannte man das Restvolk die "Verlorenen Stämme Israels". Der Südstaat Judäa blieb erhalten und entwickelte die Idee, ihr Gott Jahwe sei überall, mithin auch an keinen speziellen Ort zwecks Anbetung gebunden. 586 v. Chr. zerstörten die Babylonier unter Nebukadnezar II. Jerusalem mitsamt seinem Tempel und entführten die gesamte Führungselite nach Babylon. Doch die Juden überlebten als Glaubens- und Kulturgemeinschaft. Ihr revolutionärer Mythos hatte sie gerettet.
Das Gegenteil war der Fall bei den Azteken. Eine Sage erzählte von einem exilierten Gott namens Quetzalcoatl. Der sollte eines Tages als bärtiger Mann vom Meer kommend zurückkehren. Als dann Anfang des 16. Jahrhunderts Hernan Cortez an der Küste auftauchte, hielt man ihn für einen Abgesandten dieses Gottes - mit tödlichen Folgen. Anstatt die kleine Armee brutaler Eroberer gleich zu vernichten, wurden die Spanier hofiert. Daraufhin nahmen sie ihren Herrscher Moctezuma gefangen und vernichteten ein großes Reich samt zugehöriger Kultur.
Man sieht: Mythen sind existentiell wichtig. Selbst die exakte Wissenschaft stützt sich seit Galilei und Newton auf Mythen. Die wichtigsten: Es gibt Gesetze, denen die Natur - repräsentiert durch Elementarteilchen, Massen, Ladungen und Kräfte - immer und unerbittlich gehorcht. Ein anderer Mythos liegt in der festen Überzeugung besonders der Physiker, die Natur beherberge verborgene Symmetrien, die zu entdecken sind und aus denen Naturgesetze abgeleitet werden können. Doch es gibt noch andere Mythen. Zum Beispiel den von der Zeit, die bei schnell fliegenden Körpern langsamer vergeht. Oder der von Schwarzen Löchern, die, höllengleich, alles verschlingen. Oder gar den von einer Schöpfung aus dem Nichts, "Urknall" genannt.
Sie alle sind wissenschaftliche Mythen, also zunächst einmal Denkgebäude, die uns entweder die Arbeit als Wissenschaftler überhaupt erst ermöglichen oder aber die Forschung vorantreiben. Zumindest sollten sie das. Aber gelegentlich behindern sie auch den wissenschaftlichen Fortschritt.
Und schließlich gibt es die persönlichen Mythen, die wir von der Gesellschaft oder von unseren Eltern übernommne haben und die unser Leben unbewusst lenken. Wie etwa: Ich habe schon mal gelebt und begegne jetzt Menschen aus meinem früheren Leben. Oder: Mir misslingt alles; Gegen-Mythos: Mir glückt alles. Oder: Die Männer/Frauen/Kapitalisten/Juden/wer auch immer sind an allem Schuld. Oder: Ein fernes Schicksal lenkt alle meine Handlungen. Gegen-Mythos: Ich selbst habe mein Schicksal in der Hand. Vielleicht ist das alles ja richtig, aber wollen wir, dass unsere Gedankengebäude uns beeinflussen, möglicherweise ohne dass wir es wissen? Und wie sieht Ihr persönlicher Mythos aus?

Rechts: Quetzalcoatl contra Jahwe: Vernichter oder Erlöser?
 

-Peter Ripota-
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Schwarze Löcher wurden von Karl Schwarzschild 1916 theoretisch aus den Formeln der Allgemeinen Relativitätstheorie von Albert Einstein abgeleitet. 1967 schuf John Archibald Wheeler den begriff "Schwarzes Loch" für diese Gebilde. Schwarze Löcher verschlucken alles für immer, Materie, Energie, Strahlung und Information. 1974 publizierte Stephen Hawking eine Hypothese, wonach Schwarze Löcher auch verdampfen können ("Hawking-Strahlung"), und in seinem Buch "Das Universum in der Nussschale" äußerte er die Annahme, dass Schwarze Löcher bei ihrem Ableben die gesammelte Information wieder ausspucken.

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